Moskau - Vor Spitzengesprächen zwischen Moskau und Tokio hat der russische Außenminister Sergej Lawrow eine Diskussion über eine teilweise Rückgabe der südlichen Kurilen-Inseln an Japan eröffnet. Als Gegenleistung für Japans Zustimmung zu einem seit 1945 ausstehenden Friedensvertrag könnte Russland zwei der vier umstrittenen Inseln am Pazifik zurückgeben, sagte Lawrow nach Medienberichten in Moskau. In der russischen Öffentlichkeit löste die Andeutung einer Gebietsabtretung an Japan am Montag lebhafte Diskussionen aus.

Lawrow verwies darauf, dass beide Seiten bereits 1956 in einer gemeinsamen Erklärung die Rückgabe der kleinsten Kurilen-Inseln Shikotan und Habomai in Aussicht genommen hatten. Sowjetische Streitkräfte hatten die insgesamt vier Inseln am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 besetzt.

Regionalparlament lehnt Vorstoß ab

"Jeder russische Staatsdiener sollte ein Prinzip verstehen: Wir geben kein Fußbreit Land an Freund oder Feind ab", sagte Dmitri Rogosin, einer der führenden Außenpolitiker im russischen Parlament. Auch das Regionalparlament der Insel Sachalin, das für die Kurilen zuständig ist, lehnte den Vorstoß von Außenminister Lawrow ab.

Präsident Wladimir Putin wird Ende der Woche in Chile beim Gipfel der Pazifik-Anrainerstaaten (APEC) mit Japans Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi zusammentreffen. Im Frühjahr 2005 ist ein Besuch Putins in Tokio geplant. Vor diesen Treffen wolle Lawrow den Ball zu neuen Verhandlungen Tokio zuspielen, schrieb die russische Presse.

Putin hatte zuletzt einen jahrzehntelangen Grenzstreit mit China beigelegt, indem er mehrere Dutzend Quadratkilometer Land auf Inseln im fernöstlichen Strom Amur an Peking abtrat. (APA/dpa)