Red Bull verleiht PS.

Wien - Seit 15. November 2004 hat Österreich ein Formel 1-Team. Mit der Übernahme von Jaguar Racing durch das Salzburger Unternehmen Red Bull steht ein F1-Team unter der Hoheit eines rot-weiß-roten Unternehmens. Zwar ist die mittlerweile 54-jährige Geschichte der Formel-1-WM immer auch eine österreichische gewesen, einen heimischen Alleineigentümer eines Formel-1-Teams hat es in dieser Form bisher aber noch nicht gegeben.

Red Bull ist zwar international orientiert, Firmenchef Dietrich Mateschitz erfüllt sich damit aber einen in der Steiermark entstandenen Kindheitstraum. Er selbst spricht vom "Höhepunkt unseres Motorsport-Engagements." Red Bull beflügelt damit auch die lange Motorsport-Tradition in Österreich, die zwar 13 WM-Piloten, einige Teamchefs sowie dutzende Österreicher im Hintergrund mit sich gebracht hat, mit dem Ende des Traditions-Grand Prix in Spielberg aber auch eine einschneidende Zäsur erfahren hat. Die Übernahme eines F1-Teams sowie die Pläne der von Red-Bull übernommenen Rennstrecke in der Steiermark machen Hoffnung, dass auch die Königsklasse dereinst wieder nach Österreich zurück kehrt.

Änderungen im Team wahrscheinlich

Vorerst wurden die wichtigsten Personen im Team bestätigt, zumindest mittelfristige Änderungen sind aber wahrscheinlich. In welchen Farben das Red-Bull-F1-Team 2005 auftreten wird ist noch offen, nahe liegend wäre aber ein dominierendes blau-silber mit dem roten Red-Bull-Logo darauf. Auch die Fahrerfrage muss noch gelöst werden. Der Österreicher Christian Klien peilt eine Vertragsverlängerung an, der Kreis der weitere Kandidaten reicht vom italienischen F3000-Sieger Vitantonio Liuzzi bis zum bei McLaren ausgemusterten Routinier David Coulthard.

Red Bull übernimmt ein in England (Milton Keynes) ansässiges Werk, in dem rund 350 Personen beschäftigt sind, sowie einen Windkanal. Das Fuschler Unternehmen übernimmt aber auch ein Team, das an sich seit 1997 existiert, aber nur in der Ära als Stewart-Ford (1997-2000) einen einzigen Sieg gefeiert hat. Der US-Autokonzern Ford kaufte 2000 das Team zurück, seit die Autos aber im grünen Jaguar-Look im Kreis fahren, hat es keinen weiteren Sieg gegeben. Auch der Österreicher Niki Lauda konnte das in seiner zweijährigen Tätigkeit (2001 und 2002) u.a. als hoch bezahlter Teamchef nicht ändern.

Räder drehten sich rückwärts

Vielmehr drehten sich bei Jaguar die Räder zuletzt rückwärts, denn das abgelaufene Jahr beendeten die "Raubkatzen" mit nur zehn Punkten auf Platz sieben der Konstrukteurs-WM.

Im abgelaufenen WM-Jahr fuhr auch der Österreicher Christian Klien für Jaguar. Der 21-jährige Vorarlberger ist zwar nicht der erste von Red-Bull geförderte Pilot in der Formel 1 (das war Enrique Bernoldi), Klien ist aber der erste aus dem seit 2001 bestehenden Junior-Team. Dort werden weltweit Piloten in praktisch allen Klassen unterstützt, 2004 war mit fünf Titeln das bisher erfolgreichste Jahr. Red Bull fördert zudem in vielen anderen Motorsport-Bereichen Fahrer.

"All American Racing Team" kein Thema

Auf dem zuletzt intensiv bearbeiteten US-Markt läuft seit Jahren auch ein Red-Bull-Driver Search. Der ursprüngliche Traum von Mateschitz vom "All American Racing Team" ist aber vorerst kein Thema mehr. Chef des Junior Teams ist derzeit der Grazer Helmut Marko (61), selbst früher Rennfahrer und Teamchef.

Red Bull spielt aber auch in der Formel 1 schon seit Jahren eine tragende Rolle. Beim schweizerischen Sauber-Team war man von 1995 bis 2001 sogar Mehrheits-Eigentümer und sponsorte das Team danach mit zwölf Mill. jährlich. Noch heuer wurde das Sauber-Team im hauseigenen Hangar 7 am Salzburger Flughafen präsentiert, diese Zusammenarbeit wird nun aber beendet. (APA)