Prozess in Tirol - AM Zu 16 Jahren Haft verurteilt- Nicht rechtskräftig

Innsbruck - Des Mordes an einem Innsbrucker Pensionisten ist am Dienstagabend eine Frau aus der Dominikanischen Republik "im zweiten Anlauf" schuldig gesprochen worden. Die 41-Jährige wurde zu einer - noch nicht rechtskräftigen- Freiheitsstrafe von 16 Jahren verurteilt. Der Fall war bereits im August am Landesgericht verhandelt worden, doch wurde das Urteil damals wegen "Irrtum der Geschworenen" vom Schwurgerichtshof ausgesetzt. Der Wahrspruch hatte damals auf Totschlag gelautet.

Die früher auch als Prostituierte tätige Francisca B. soll einen ihr bekannten Pensionisten mit Messerstichen und Schnitten mit Rasierklingen getötet haben. Die vorbestrafte 41-Jährige hatte ihr Opfer im Jahre 2000 kennen gelernt. Der pensionierte Eisenbahner unterstützte die Frau finanziell. Sie verrichtete Putzarbeiten und habe mit ihm auch eine sexuelle Beziehung unterhalten.

Laut Anklage sprach die nunmehr 41-Jährige am Tatabend im Dezember 2003 mit dem Pensionisten über ihre befürchtete Delogierung. Der Pensionist sagte ihr jedoch, dass sie nicht bei ihm einziehen könne.

Ihr Noch-Ehemann würde sonst "über ihn lachen". In seinem Plädoyer erklärte der Staatsanwalt, dass für ihn darin das Motiv der 41-Jährigen für ihre folgende Tat liege.

Laut dem Tatsachengeständnis der Angeklagten fand die Frau im Bad des Opfers zunächst eine Rasierklinge. Damit ging sie in das Schlafzimmer, wo der Pensionist auf dem Bett saß. Mit der Klinge fügte ihm die Frau Schnittwunden zu. Das Opfer leistete dabei keine Gegenwehr und habe nur gefragt: "Franzi, warum machst du das?.

Schließlich holte die 41-Jährige aus der Küche zunächst ein kleineres, später ein größeres Messer und stach auf den Tiroler ein. Warum sie dies gemacht habe, könne sie sich nicht erklären, erklärte die Angeklagte während der Verhandlung.

Stich- und Schnittverletzungen

Insgesamt erlitt das Opfer 16 - teils tiefe- Stichverletzungen, sowie Schnittverletzungen an Hals, Nacken, Brustkorb und Unterarm. Der psychiatrische Gutachter attestierte der 41-Jährigen unter anderem eine Einschränkung des Steuerungsvermögens auf Grund einer Hirnverletzung und einer Medikamentensucht.

In seinem Plädoyer sprach der Verteidiger unter anderem die Lebensumstände der Angeklagten an: Sie sei in einem "Dritte-Welt-Land" in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Nach Österreich kam sie, nachdem sie einen Touristen geheiratet hatte, der sie bald wieder verließ.

Sie geriet ins Tiroler Rotlichtmilieu. Dort habe sie wieder nur Männer kennen gelernt, die sie ausnutzten. Über das Opfer sagte die Frau aus, dass dieser der einzige Mann gewesen sei, der gut zur ihr war. Der Verteidiger glaube daher nicht, dass die Angeklagte den Pensionisten töten habe wollen. Die Situation sei "eskaliert".

Im Rahmen des Prozesses unter Vorsitz von Richter Klaus Schröder war auch über ein Verleumdungsdelikt verhandelt worden. Auch in diesem Punkt wurde die einschlägig vorbestrafte 41-Jährige schuldig gesprochen und eine bisher bedingte Strafnachsicht widerrufen. (APA)