Wien - Das Beteiligungsunternehmen Hannover Finanz Austria, seit 2000 mehrheitlich im Besitz der deutschen Hannover Finanz Gruppe, hat sich zum Ziel gesetzt, bei Mittelstandsbeteiligungen in Österreich eine wesentliche Rolle zu spielen.

Bis zu fünf Unternehmen pro Jahr

Künftig soll jährlich in drei bis fünf mittelständische Unternehmen investiert werden. Dafür stehen der ehemaligen MFAG Beteiligungsmanagement GmbH gruppenweit aus mehreren Fonds 100 Mio. Euro zur Verfügung, sagte der Geschäftsführer der Hannover Finanz Austria, Martin Walka, bei einem Pressegespräch am Dienstag in Wien.

Der Private Equity-Finanzierer ist nach mehreren Veräußerungen noch bei zehn Unternehmen mit rund 14,5 Millionen Euro beteiligt. Zuletzt erfolgte im Februar 2004 ein Engagement beim Wiener Nobelschuhmacher Ludwig Reiter.

"Langfristiger Erfolg"

Weitere Engagements bestehen etwa beim Schuhpflegemittelerzeuger Melvo und der Krems Chemie Chemical Services (KCCS). Im Schnitt sei man acht Jahre lang beteiligt, so Walka. Nicht kurzfristiges Wachstum, sondern der gemeinsame langfristige Erfolg stehe im Vordergrund.

Mittelständische Unternehmen können üblicherweise mit Eigenkapitalzuschüssen ab einer Million bis rund 20 Mio. Euro rechnen. Im Fokus stehen Unternehmen mit Umsätzen ab 10 Mio. Euro bis normalerweise 60 Mio. Euro und 100 bis 300 Mitarbeitern. Das entspricht laut Walka einem Potenzial von 3.000 Unternehmen. Einschränkungen nach Branchen gebe es so gut wie keine, es würden aber keine Sanierungsfälle finanziert werden.

Nachholbedarf

Der Eigenkapitalmarkt in Österreich sei unterentwickelt, im europäischen Vergleich sei Österreich weit unter dem Durchschnitt und stünde beim investierten Kapital nur an 16. Stelle. Bei den rechtlichen Rahmenbedingungen bestehe noch großer Nachholbedarf. Mittelständische Unternehmen verfügten generell über kein ausreichendes Kapitalfundament, die Eigenkapitaldecke liege oft nur bei 10 Prozent. In Anbetracht der neuen Eigenkapitalrichtlinien für Banken (Basel II) entstünde daher für viele Unternehmen eine riskante Kreditklemme.

Den Interessen verbunden

Beteiligungskapital im Sinne von Private Equity biete eine gute Möglichkeit, die Eigenkapitalausstattung zu optimieren und dabei die eigene unternehmerische Freiheit zu garantieren. "Eine Beteiligungsgesellschaft steigt als Mitgesellschafter ein und trägt so auch Chancen und Risiken der weiteren Entwicklung mit", so Walka, der auch Vorstandsvorsitzender der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisaton (AVCO) ist. Anders als eine kreditgewährende Bank oder ein Mezzanin-Kapitalgeber sei sie als Mitgesellschafter den Interessen des beteiligten Unternehmens verbunden.

Einen ersten Kontakt mit Private Equity-Finanzierern können Unternehmer am 25. November auf dem ersten Mittelstandstag Österreich-Deutschland in Wien aufnehmen.

Größte Mittelstands-Beteiligungsgesellschaft

Mit einem Beteiligungsvolumen von 457 Mio. Euro in derzeit über 65 Unternehmen zähle die Hannover Finanz-Gruppe zu den größten Beteiligungsgesellschaften im deutschsprachigen Raum, die ausschließlich den Mittelstand ab 10 Mio. Euro Umsatz finanziere, so das Vorstandsmitglied der Hannover Finanz Gruppe und Co-Geschäftsführer der Hannover Finanz Austria, Andreas Schober.

Bei 40 Prozent der Beteiligungen handle es sich um Wachstumsfinanzierungen, 30 Prozent entfielen auf Finanzierungen im Zuge von Nachfolgeregelungen, wie etwa Management buy outs oder Spin-Offs, der Rest auf andere Finanzierungen. Die Gruppe managt derzeit sechs Beteiligungsfonds mit unbegrenzter Laufzeit mit einem Gesamtvolumen von rund 600 Mio. Euro, davon 100 Mio. Euro an liquiden Mitteln, die für weitere Investitionen zur Verfügung stehen. (APA)