Bild nicht mehr verfügbar.

Margaret Hassan ist höchstwahrscheinlich tot

foto: ap/AL JAZEERA

Archivbild der irakischen Care-Chefin

foto: standard/Daily Mirror/Mike Moore Abdruck
London/Bagdad/Kairo - Die vor vier Wochen im Irak verschleppte Britin Margaret Hassan ist höchstwahrscheinlich tot. Das bestätigte der britische Außenminister Jack Straw am Dienstag in London. Experten seines Ministeriums hatten zuvor ein dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera zugespieltes Video analysiert, auf dem zu sehen ist, wie eine Frau erschossen wird. Bei dem Opfer handele es sich dem Augenschein nach um Margaret Hassan. Premierminister Tony Blair sprach der Familie Hassans sein Mitgefühl aus.

"Widerlich"

"Als Ergebnis unserer Analyse mussten wir heute Margaret Hassans Familie traurigerweise darüber informieren, dass wir jetzt glauben, dass sie wahrscheinlich ermordet wurde", sagte Straw. "Es ist widerlich, ein solches Verbrechen an einer Frau zu begehen, die fast ihr ganzes Leben lang für das Wohl der irakischen Bevölkerung gearbeitet hat", sagte er weiter. Die 59-jährige langjährige Chefin der Hilfsorganisation CARE International im Irak war am 19. Oktober in Bagdad entführt worden.

"Wir zeigen keine Tötungen"

Ein Sprecher von Al Jazeera sagte, der Sender habe das Video vor einigen Tagen erhalten, sei sich aber über dessen Authentizität zunächst nicht sicher gewesen. Man habe das Band Vertretern der britischen Regierung gezeigt. Der Sender werde das Video aber nicht ausstrahlen. "Wir zeigen keine Tötungen", erklärte der Sprecher.

Das britische Außenministerium veröffentlichte in London eine Erklärung der vier Geschwister Hassans, in der es hieß: "Unsere Herzen sind gebrochen. Wir haben gehofft, so lange wir konnten, aber jetzt müssen wir akzeptieren, dass Margaret wahrscheinlich gegangen ist, und dass ihr Leiden endlich beendet ist." Die Täter hätten keine Entschuldigung. "Niemand kann dies rechtfertigen. Margaret war gegen Sanktionen und den Krieg. Solch ein Verbrechen gegen irgendjemanden zu verüben ist unverzeihlich. Aber wir können nicht verstehen, wie jemand dies unserer liebenswürdigen, mitfühlenden Schwester antun konnte."

"Außergewöhliche Frau"

In einer Stellungnahme von CARE International hieß es: "Frau Hassan war eine außergewöhnliche Frau, die ihr Leben den Armen und Benachteiligten im Irak, besonders den Kindern, widmete." Die Hilfsorganisation reagierte mit "tiefer Trauer" auf die Nachricht und hob hervor, dass Hassan mit "Mut, Ausdauer und außergewöhnlichem Engagement 17 Millionen Irakern in den schwierigsten Lebensumständen beigestanden und geholfen" habe.

CARE Austria: "Wir sind entsetzt und schockiert über dieses Ende ihrer Entführung. Unser tiefstes Mitgefühl gilt Margarets Ehemann Tahseen und ihrer Familie. Mit ihrem Mut, ihrer Hartnäckigkeit und ihrem Einsatz konnte Margaret Hassan mehr als siebzehn Millionen Irakern unter schwierigsten Bedingungen helfen. Wer immer ihr begegnete, war von ihrer Persönlichkeit und ihrem Mitgefühl beeindruckt."

Anfang Oktober entführt

Die 59-Jährige war am 19. Oktober auf dem Weg zur Arbeit in Bagdad entführt worden. Sie besaß die irische, britische und irakische Staatsbürgerschaft, war mit einem Iraker verheiratet und lebte seit 30 Jahren in dem Land. Hassans Landsmann Kenneth Bigley war am 16. September im Irak entführt und am 7. Oktober enthauptet worden. (APA/AP/dpa/Reuters/red)