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Der doppelte Earvin Johnson im Staples Center zu Los Angeles: Erfolgreicher Geschäftsmann aus Fleisch und Blut und Basketballstar der Lakers aus Bronze.

Foto: Reuters/Jim Ruymen
Los Angeles - Erfolgreiche US-Profisportler pflegen einen Spitznamen zu tragen. Den Beinahmen "Magic" erhielt Earvin Johnson freilich bereits als 15-Jähriger. 36 Punkte, 16 Rebounds und 16 Assists in einem Spiel für die Lansing's Everett High School in Michigan inspirierten den Journalisten der lokalen Tageszeitung, und fortan hieß Earvin "Magic". Es folgten 13 Jahre bei den Los Angeles Lakers, fünf Meisterschaften, zwölf Berufungen ins All-Star-Team, olympisches Gold in Barcelona und die Aufnahme in die Hall of Fame. Johnson erspielte sich den Ruf als einer der genialsten und fairsten Spieler.

Nun ist er 45, erfreut sich 13 Jahre nach seiner Infizierung mit dem HI-Virus bester Gesundheit - und ist als Inhaber eines gewaltigen Firmenimperiums einer der erfolgreichsten Geschäftsleute in den USA. Wer die siebte Etage des eleganten Bürogebäudes in Los Angeles betritt, kann sich den Indizien der Erfolge nicht entziehen. Gleich fünf Unternehmen tragen den Namen Johnson, alle erfreuen sich finanzieller Gesundheit.

In diesem Haus hatte er als kleiner Bub am Wochenende seinem Vater beim Putzen der Büros von General Motors geholfen. "Hier hat alles angefangen. Ich saß in diesen riesigen Stühlen und stellte mir vor, wie es wäre, wenn ich die Firma leiten würde." Heute besitzt Johnson 30 Burger-Filialen, 72 Coffeeshops, acht Fitnesszentren, sechs Kinopaläste sowie neun weitere Immobilienprojekte.

Investiert hat Johnson dort, wo andere sich nicht hintrauen. Wo früher in den Slums von Los Angeles, Atlanta, Chicago, Milwaukee, Dallas und Washington Straßengangs regierten, stehen heute oft moderne Bürohäuser. Allein die Zahl von 10.000 neu geschaffenen Jobs, die Mehrzahl davon für schwarze Angestellte, unterstreicht die Bedeutung von Johnsons Imperium. Rückschläge gab es kaum, nur an einen kann sich der Chef erinnern: "Eines meiner ersten Projekte war ein Shop mit NBA-Fanartikeln. Ich liebte jedes einzelne Teil, meine Kundschaft allerdings nicht. Ich musste lernen, auf ihre Wünsche einzugehen." Der Lernprozess war kurz, schmerzhaft und teuer - Johnson setzte 200.000 Dollar in den Sand. Die er angesichts der Millionen, die er als Basketballer verdient hatte, locker verschmerzen konnte.

Aidskliniken

Ende der Neunziger brachte Johnson ein Buch auf den Markt, das über die verschiedenen Möglichkeiten einer HIV-Infizierung aufklärte, doch die für die konservativen USA gewagte Sprach- und Bilderauswahl brachten das Werk in einigen Bundesstaaten auf den Index. Johnson, der in den ersten Jahren nach seiner Diagnose 16 Pillen pro Tag schluckte, um das Virus unter Kontrolle zu halten, zeigt nach Angaben seiner Frau Cookie keinerlei Symptome, die auf einen Ausbruch der Krankheit hinweisen könnten. Denen, die weniger Glück hatten, hilft die zweite Karriere ihres prominenten Leidensgenossen. Johnson baute in den USA mehrere Aidskliniken. (DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 17. November 2004, sid, red)