London/Madrid/Paris/Brüssel - Internationale Zeitungen beschäftigten sich am Mittwoch mit dem wahrscheinlichen Tod der britischen Geisel und Entwicklungshelferin im Irak, Margaret Hassan.

The Independent

"Gerade als man glaubte, die Tragödie im Nachkriegs-Irak könne kaum noch fürchterlicher werden, kam die Nachricht, dass Margaret Hassan ermordet wurde. Eine Frau, die ihr Leben damit verbrachte, Irakern über die Grausamkeiten und Entbehrungen der Herrschaft Saddam Husseins hinwegzuhelfen, hätte verdient, sich an den Vorteilen zu erfreuen, die ein freier Irak gebracht hätte. Es spottet jedem Glauben, dass Menschen denken können, ein solch kaltblütiger Mord könne ihrer Sache dienen; alles, was dabei herauskommt, ist eine weitere Verhärtung der Fronten."

El Pais, Madrid

"Der militärische Sieg der US-Streitkräfte in Falluja kann sich leicht in eine politische Niederlage verkehren. Es wurde nicht nur eine Stadt zerstört. Obendrein wurde der Verdacht, dass die US-Soldaten bei der Offensive Verbrechen begangen haben, in wenigstens einem schrecklichen Fall bestätigt. Die ganze Welt konnte mitansehen, wie ein Marine einen Verwundeten in einer Moschee erschoss.

Diese Verletzung des internationalen Rechts dürfte den Hass der Bevölkerung auf die USA noch vergrößern. Die Amerikaner haben gezeigt, dass sie noch immer einem großen Irrtum unterliegen. Sie meinen, mit militärischer Macht alles erreichen zu können."

The Guardian

"Die USA, gedeckt von Großbritannien, zogen - aus von ihnen präsentierten Gründen der Gerechtigkeit - in den Krieg gegen den Irak, auch wenn ihre Kritiker diese Argumente nie akzeptierten. Amerikas Ruf ist bereits durch den Folterskandal im Abu-Ghraib-Gefängnis befleckt worden. Es muss befürchtet werden, dass weitere brutale Wahrheiten ans Licht kommen, wenn sich der Rauch über Falluja verzogen hat. Kriegsverbrechen müssen schnell und streng bestraft werden."

"La Republique du Centre":

"Die sehr wahrscheinliche Hinrichtung der britisch-irakischen Margaret Hassan zeigt, dass im Irak auf die militärischen Anschläge der USA und die Verletzung des Kriegsrechts weiterhin mit Barbarei reagiert wird. (...) Keiner weiß, welcher wahnsinnige Fanatismus die Entführer dazu getrieben hat, eine Frau zu 'opfern', die sich seit 25 Jahren bemühte, das Leid des irakischen Volkes zu mindern. Die Grausamkeit der Entführer und die Inkohärenz ihrer Motive lässt uns unvermeidlich um unsere eigenen Geiseln, Georges Malbrunot und Christian Chesnot, fürchten. (...) Am 90. Tag ihrer Entführung bleiben unsere beiden Journalisten ihren Kidnappern ausgesetzt." (APA)