Wien/London - Die Leiterin der britischen Hilfsorganisation CARE International im Irak, Margaret Hassan, ist in dem Land seit 30 Jahren im humanitären Einsatz gewesen. Ebenso unermüdlich wie entschlossen warnte die gebürtige Irin mit britischer und irakischer Staatsbürgerschaft die Politiker Großbritanniens immer wieder vor einem Krieg gegen Saddam Hussein. Ein solcher Konflikt würde für die Bevölkerung des Irak zu einer "humanitären Katastrophe" führen, sagte sie bei einem Empfang durch britische Abgeordnete vor dem Irak-Krieg.

Nach den Entbehrungen in der Zeit der UNO-Sanktionen hätten die Iraker einfach "nicht mehr die Kraft, die zusätzliche Krise einer Militäraktion durchzustehen", sagte Hassan damals.

Drei Pässe

Die mit einem Iraker verheirate Hassan hat einen irischen, einen britischen und einen irakischen Pass. Für CARE im Irak war Hassan seit 1991 tätig. Dort hatte sie etwa 30 Mitarbeiter unter sich. Alle Iraker. Trotz der zusätzlichen Gefahren nach Kriegsausbruch bestand Hassan darauf, ihre Arbeit fortzusetzen. "Ich bleibe bei meinen Leuten im Irak. Das ist meine Heimat", betonte Hassan mehrmals, wie die "Times" berichtete. Gegenüber dem Londoner Blatt drückte sie auch ihr Bedauern über die Beteiligung Großbritanniens an dem Kriegseinsatz im Irak aus. "Ich bin traurig, dass britische Truppen mitmachen."

Hassans Ehemann Tasheen Hassan betonte immer wieder, dass seine Frau "nichts mit Politik zu tun hatte". Sie setzte sich mit ihrer Arbeit seit 30 Jahren für das irakische Volk ein, sagte er, nachdem er die Nachricht vom vermutlichen Tod seiner Frau erhalten hatte. Margaret Hassan war vor vier Wochen im Irak entführt worden.

CARE International lobte vor allem Hassans unermüdliches Engagement. "Im letzten Jahrzehnt hat Margaret (Hassan) allen Gefahren und Problemen zum Trotz humanitäre Programme im Irak durchgeführt. Jeder, der ihr begegnete, war von ihrer Persönlichkeit und ihrem Mitgefühl tief beeindruckt."

Nach der Mitteilung über den vermutlichen Tod ihrer Kollegin zeigte sich die Organisation bestürzt. "Wir sind entsetzt und schockiert über dieses Ende ihrer Entführung", teilte CARE in einer Presseaussendung mit. Hassan sei den Irakern mit "außergewöhnlich großem Engagement" zur Seite gestanden und habe dazu beigetragen, weltweit die Armut zu bekämpfen, humanitäre Not zu lindern und zerstörte Gesellschaften wieder aufzubauen. (APA/dpa/Reuters)