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Washington - Wenn Kinder in den ersten Lebensjahren nur unzureichend lebenswichtige Vitamine und Mineralien zu sich nehmen, könne dies später zu antisozialem Verhalten und verstärkter Aggressionen führen. Auf diesen möglichen Zusammenhang zwischen Ernährung und sozialem Verhalten machen jetzt Wissenschafter um Jianghong Liu von der University of Southern California im US-Fachmagazin American Journal of Psychiatry aufmerksam.

Die Forscher analysierten den Ernährungszustand von mehr als tausend Kindern britischer, chinesischer, kreolischer und französischer Herkunft im Alter von drei Jahren auf Mauritius anhand typischer - ernährungsbedingter - Mangelerscheinungen wie aufgerissene Lippen oder Mundwinkel durch zu wenig Vitamin B, Veränderungen in der Haarpigmentierung durch Eiweißmangel, ausgedünnte Haare durch Mangel an Eiweiß, Zink und Eisen sowie Anzeichen von Anämie wie Gesichtsblässe und Müdigkeit durch zu wenig Eisen. Daneben testeten sie die Intelligenz und das Sozialverhalten der betroffenen Kinder und untersuchten auch das soziale Umfeld der Eltern.

Eltern- und Lehrer-Erfahrung

Im Alter von acht, elf und 17 Jahren fragten die Forscher bei den Eltern und Lehrern nach dem Verhalten der Kinder und stellten fest, dass mit zunehmenden Alter der Zusammenhang zwischen Mangelernährung und auffälligem sozialem Verhalten, Aggressionen, Lügen und Zerstörungswut bis hin zu Drogenkonsum und Diebstahl stark zunahm.

Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit ebenso vielen Kindern ohne Mangelernährung waren die mangelernährten Kinder im Alter von acht Jahren 41 Prozent aggressiver, mit elf Jahren zehn Prozent aggressiver und krimineller und mit siebzehn Jahren 51 Prozent gewalttätiger und antisozialer eingestellt.

Die Forscher führen diese Verhaltensänderung auf einen niedrigeren IQ durch die schlechte Ernährung zurück. Eltern sollten daher bereits im Kindesalter auf richtige Ernährung achten. (Andreas Grote/DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2004)