Der (etwas ältere) Kontinentaleuropäer kennt von der britischen Fuchsjagd nur den prachtvollen Kostümfilm "Tom Jones" (wieso wird der nie im Fernsehen gezeigt?), den Schluss einer Beatles-Nummer mit dem charakteristischen Rüdengeläut, diesem quäkenden Jagdhorngetröte, das nicht nur den Hunden die Nackenhaare aufstellt, das Pferdegetrappel und, für den Bildungsbürger, die Meinung von Oscar Wilde, es handle sich hier um die Verfolgung des Unessbaren durch die Unsäglichen ("the unspeakable in pursuit of the uneatable").

Aber es ist ein schönes Bild, wenn die britische Gentry in ihren roten Röcken und hoch zu Ross, umwimmelt von dutzenden Beagles, durch den Herbstnebel galoppiert - alle hinter einem kleinen roten Tier her, das nur seinen Witz als Verteidigung aufweisen kann (und posthum die Verbreitung der Tollwut als Rache).

Nun soll endgültig Schluss sein mit der Fuchsjagd in England, Blair sei's gedankt (oder nicht, je nach Einstellung). Das britische Oberhaus hat sich lange dagegengestemmt, hat Beharrungsbeschlüsse gefasst und so mancher Lord hielt die Rede seines Lebens: Zuerst fällt die Fuchsjagd, dann die Monarchie und am Ende noch das warme Bier. Vergebens. (rau, DER STANDARD Printausgabe 19.11.2004)