Mainz/Berlin - Der deutsche Bundesnachrichtendienst hat nach Angaben der Regierung keine Informationen zu den Kosovo-Unruhen im März zurückgehalten. Regierungssprecher Bela Anda sagte am Freitag in Berlin, die Behauptung in einem ZDF-Bericht, der BND habe der Bundeswehr sicherheitsrelevante Informationen im Vorfeld der schweren Auseinandersetzungen unterschlagen, sei falsch. Nähere Angaben werde die Regierung zunächst dem zuständigen Kontrollgremium des Bundestag machen. Solange könnten Fragen öffentlich nicht beantwortet werden.

Die Union forderte unterdessen Aufklärung über die mögliche Verwicklung eines BND-Informanten in die gewaltsamen Unruhen im Kosovo vom März. "Die parlamentarischen Gremien müssen dazu eine Stellungnahme bekommen, das darf nicht im Raum stehen bleiben", sagte der Verteidigungsexperte der Unionsfraktion, Christian Schmidt (CSU), am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Informant beteiligt

Das ZDF hatte berichtet, ein Informant des Bundesnachrichtendienstes (BND) habe die Ausschreitungen von Kosovo-Albanern gegen die serbische Minderheit mitorganisiert. Dem Bericht zufolgt soll der BND schon Wochen vorher von Plänen für Übergriffe von radikalen Kosovo-Albanern gegen Serben im März im Kosovo gewusst haben. Drei Wochen vor dem schweren Gewaltausbruch mit 19 Toten und 1000 Verletzten habe der Geheimdienst mitgehört, wie ein Islamist die Aktion vorbereitete, berichtete das ZDF-"heute-journal" am Donnerstag.

"Bombenstimmung"

Der Mann, der laut ZDF Kontakte zum Terror-Netzwerk El Kaida unterhält, habe seinen Gesprächspartner angewiesen, in zwei bis drei Wochen im Raum Urosevac im südlichen Kosovo für "Bombenstimmung" zu sorgen.

"Heiße Party"

Wenige Tage später habe er mitgeteilt, in Prizren "sei bereits alles für eine heiße Party vorbereitet". Sein Gesprächspartner habe beklagt, er habe nur Schwierigkeiten, genügend Busse für den Transport von militanten Kosovo-Albanern zu organisieren. Der Islamist soll dem Bericht zufolge Samedin Xhesairi heißen und zudem bezahlter Informant des BND gewesen sein. Dies hätten mehrere Quellen dem Fernsehsender bestätigt.

Die Bundeswehr, deren Kosovo-Kontingent als unvorbereitet und durch die Unruhen überfordert kritisiert wurde, hatte nach eigenen Angaben keine Hinweise des BND auf bevorstehende Unruhen. Im Untersuchungsbericht des Verteidigungsministeriums zu den Vorfällen heißt es: "Konkrete Hinweise auf das Bevorstehen massiver Auseinandersetzungen gingen weder aus dem eigenen Aufkommen (geheimdienstlicher Informationen) noch aus dem Aufkommen des Bundesnachrichtendienstes hervor."

Am 17. und 18. März hatten 58.000 Kosovo-Albaner mit Gewalt gegen die serbische Minderheit demonstriert, die sich in diesem Gebiet bis dahin noch gehalten hatte. Auch die Mitarbeiter der UN- Übergangsverwaltung und KFOR-Soldaten gerieten ins Visier der Extremisten. Es waren die schwersten Ausschreitungen seit dem Ende des Kosovo-Krieges.

Während der Gewalttätigkeiten war auch ein Serbe im deutschen Verantwortungsbereich in Prizren getötet worden. Laut einem Mängelbericht der Bundeswehr waren die Bundeswehr-Soldaten weder mental auf die Gewalttaten vorbereitet noch mit Reizgas oder Schutzschilden ausgerüstet. (APA/dpa)