Die börsenotierte Telekom Austria (TA) hat in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres 2004 einen starken Gewinnzuwachs verbucht. Das Betriebsergebnis (EBIT) wuchs um 16,6 Prozent auf 414,8 Millionen Euro, der Nettogewinn erhöhte sich um 37 Prozent auf 205,2 Millionen Euro, teilte die TA am Freitag ad-hoc mit. Der Umsatz erhöhte sich um 2,7 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr hat die TA indes die Umsatz- und Ergebnisprognose angehoben.

Prognose

Für das Gesamtjahr 2004 werde nun beim Nettoergebnis ein Wachstum "von bis zu 40 Prozent" erwartet, hieß es heute. Zuletzt war die TA bei der Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse von einem Zuwachs von 25 Prozent ausgegangen. Beim Umsatz und beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erwartet die TA nun einen Anstieg um bis zu 2 Prozent, ursprünglich war von einem flachen Umsatzwachstum von bis zu 1 Prozent und von einem EBITDA-Wachstum von 1 bis 2 Prozent ausgegangen worden.

Rücksicht

Der einmalige Posten für die Universaldienstverpflichtung werde einen positiven Einfluss auf die Gruppenumsätze und das bereinigte EBITDA in der Höhe von etwa 8,5 Millionen Euro haben, wovon 7,9 Millionen Euro bereits in den Neunmonatsergebnissen berücksichtigt wurden. Ein Wachstum im bereinigten EBITDA und weiterhin rückläufige Abschreibungsaufwendungen sowie ein Rückgang des Nettozinsaufwandes ließen "einen überdurchschnittlichen Anstieg des Nettoergebnisses um bis zu 40 Prozent" erwarten, erläuterte die TA.

Über den Erwartungen

Die Telekom hat mit den heute veröffentlichten Neunmonatsergebnissen die Prognosen der Analysten übertroffen, die beim Umsatz im Schnitt von einem Wert von 2,987 Milliarden Euro, beim EBIT von 381,2 Millione Euro, beim Nettogewinn von 177,4 Millionen Euro und beim EBITDA von 1,22 Milliarden Euro ausgegangen waren.

Die Nettoverschuldung der TA sank von Jahresende 2003 um 21,4 Prozent auf 2,07 Milliarden Euro per Ende September 2004. Das EBITDA erhöhte sich von Jänner bis September 2004 um 4,2 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie stieg um 37,2 Prozent auf 0,41 Euro.

Kommentar

Die Telekom Austria (TA) habe in den ersten drei Quartalen 2004 im Festnetzgeschäft "einen sich verlangsamenden Rückgang der Sprachtelefonieumsätze sowie höhere Beiträge aus dem Breitband- und dem Wholesalegeschäft" verzeichnet, kommentierte TA-Vorstandsvorsitzender Heinz Sundt am Freitag die Quartalszahlen. Im Mobilfunk seien vor allem höhere Roamingerlöse und Steigerungen im Datengeschäft zum Tragen gekommen. Dadurch habe die TA heute "eines der besten Quartalsergebnisse seit dem Börsengang" präsentieren können.

Im Festnetzgeschäft stagnierte der Umsatz bei 1,64 Milliarden Euro (plus 0,2 Prozent), das Betriebsergebnis (EBIT) legte auf Grund der hohen Umsatzerlöse und der Reduktion des Abschreibungsaufwandes von 16,0 auf 80,1 Millionen Euro zu. Die Zahl der Festnetzanschlüsse ging um 3,4 Prozent auf 2,93 Millionen zurück. Die Zahl der ADSL-Anschlüsse erhöhte sich per Ende September 2004 von 232.500 auf 338.000.

Wachstum

Im Mobilfunk erhöhte sich der Umsatz auf Grund von steigenden Kundenzahlen und starken Roamingumsätzen um 4,8 Prozent auf 1,58 Mrd. Euro, das EBIT legte um 2,3 Prozent auf 345,3 Mio. Euro zu. Die Zahl der Mobilfunkkunden der Mobilkom-Gruppe, die neben Österreich auch in Slowenien (si.mobil), Kroatien (VIPnet) und Liechtenstein tätig ist, stieg per Ende September 2004 um 4,1 Prozent auf 4,82 Millionen. Davon entfielen 3,19 Millionen auf Österreich, 1,26 Millionen auf Kroatien, 363.000 auf Slowenien. Der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Kunde (ARPU) erhöhte sich um 4,5 Prozent auf 39,2 Euro, bedingt vor allem durch das Roaminggeschäft im Sommer und Datendienste.

Die Zahl der Mitarbeiter reduzierte sich per Ende September um 1.317 Personen auf 13.308 Beschäftigte, wobei der Personalabbau fast ausschließlich im Festnetz-Bereich durchgeführt wurde.

Flow

Der Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit erhöhte sich in den ersten drei Quartalen um 24,2 Prozent auf 987,6 Millionen Euro. Bedingt durch fortlaufend zurückhaltende Investitionen und die hohe Ertragskraft der TA sei auch weiterhin eine positive Cash-Flow-Entwicklung zu erwarten, teilte die TA weiter mit. Die Entwicklung der Nettofinanz-Verbindlichkeiten hänge auch von der Realisierung etwaiger Expansionsschritte sowie vom Rückkauf von Aktien ab. Für den Rückkauf stünden derzeit Rücklagen in Höhe von 228 Millionen Euro zur Verfügung.

Im dritten Quartal 2004 stieg der Nettogewinn um 17,5 Prozent auf 98,8 Millionen Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) erhöhte sich um 13,5 Prozent auf 171,8 Millioinen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) wuchs um 5,5 Prozent auf 446,4 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 2,6 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Der Konsensus der Analysten für das EBIT war 426 Millionen Euro gewesen, für das Nettoergebnis 80,3 Millionen Euro. Im vierten Quartal sei auf Grund der zu erwartenden saisonalen Abschwächung ein Rückgang der Umsatzerlöse und Erträge zu erwarten, hieß es.

Mobiltel

Bei der Telekom Austria erwartet man einen allfälligen Einstieg bei der bulgarischen Handyfirma Mobiltel frühestens im Sommer 2005. Ihren Aktionären will die TA für das Jahr 2004 eine Dividende von mindestens 21 Cent auszahlen, berichtete TA-Vorstandsvorsitzender Heinz Sundt am Freitag vor Journalisten in einer Telefonkonferenz.

Für 2003 hatte die TA-Dividende 0,13 Euro je Aktie betragen. Die TA werde auch langfristig an ihrer bisherigen Dividendenpolitik, sprich einer Auszahlung von 50 Prozent der Nettoerträge, festhalten, betonte Sundt. Für 2004 ergebe sich allerdings durch die Senkung der Körperschaftssteuer und die Umwertung des steuerlichen Verlustvortrags ein einmaliger Effekt, der einen höheren Auszahlungssatz für die Aktionäre zur Folge habe.

Gespräche

"Wir stehen mit der Mobiltel nach wie vor in positiv verlaufenden hochrangigen Gesprächen", berichtete Sundt. Mit einem positiven Ausgang der Gespräche sei aber erst "gegen Sommer" 2005 zu erwarten, in keinem Fall aber noch im Jahr 2004. Die TA sei für einen Einstieg bei der Mobiltel "durchaus optimistisch", betonte Sundt. Es sei aber "unzweifelhaft", dass sich die TA bei einem "derart interessanten Unternehmen" auch gegen Konkurrenten durchsetzen müsse, was sich auch auf den Kaufpreis auswirke. Allerdings habe die TA eine "fixe Vorstellung über die Bewertung derartiger Projekte".

Interesse

Die TA sei nach wie vor an der Mobiltel "interessiert", betonte Sundt. In Österreich sei der Markt "saturiert", vor allem im Mobilfunkbereich, während es vor allem in Kroatien ein Wachstumspotenzial gebe. Auch ohne Akquisition der Mobiltel könne man für die TA künftig von moderatem Wachstum sprechen, eine Übernahme der Mobiltel würde diese Möglichkeiten aber erweitern, erläuterte Sundt das Interesse an der Mobiltel.

Bis Ende 2007 geht die TA laut Sundt davon aus, Akquisitionen im Volumen von 2 Millarden Euro durchzuführen und parallel 1 Milliarden Euro für Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe aufzuwenden. Seit August 2003 habe die TA Aktien im Volumen von 35 Millionen Euro zurückgekauft. Diese Maßnahme, die kursstützend wirke, werde man auch künftig fortsetzen. (APA)