Bei einem Flugzeugabsturz in Baotou in der Inneren Mongolei kamen 54 Menschen ums Leben. Der Pilot hatte noch Schlimmeres verhindert, indem er die Maschine gerade noch an den Wohnvierteln vorbei in den Stadtpark steuerte.
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Peking - Feuer und eine Explosion an Bord haben offenbar zum Absturz einer Passagiermaschine in Nordchina unmittelbar nach ihrem Start geführt. Alle 47 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder starben, als das Kleinflugzeug der Gesellschaft China Eastern nach seinem Abheben vom innermongolischen Flughafen Baotou in den nur 1200 Meter entfernten riesigen Nanhai-Stadtpark stürzte.

Parkwächter wurde von Trümmern tödlich getroffen<>

Die brennende Maschine streifte ein dreistöckiges Gebäude und Baumwipfel, bevor sie auf dem gefrorenen See zerschellte. Ein Parkwächter wurde von Trümmern tödlich getroffen. Angesichts der dichten Besiedelung der Industriestadt Baotou war es ein Glück, dass die Maschine nicht auf Wohnviertel fiel, sondern vom Piloten in den 2000 Hektar großen, um 8.25 Uhr noch unbesuchten Park gelenkt wurde. Das Flugzeug war auf dem Weg ins zwei Stunden entfernte Schanghai und startete bei idealem Wetter und guter Sicht.

Grausige Bilder

Lokalen Journalisten boten sich grausige Bilder, als Feuerwehrleute noch an ihren Sitzen angeschnallte Passagiere aus dem Eiswasser herausholten. Aus dem Baotou-Stahlwerk musste ein 20-köpfiges Taucherteam geholt werden, um im See nach der Black Box zu suchen. Ein Indonesier war der einzige Ausländer unter den Opfern. Alle 54 Leichen konnten bis in die Nacht geborgen werden.

Frühsportler, die zu Augenzeugen wurden, sagten, sie hätten den Flieger bereits in der Luft brennen sehen. Schwarzer Rauch sei aus dem Heck gekommen und die Maschine habe gewackelt. Kurz darauf hörten sie eine Explosion, bevor das Kleinflugzeug vom Typ Bombardier CRJ 200 in den Park stürzte. Regionale chinesische Fluggesellschaften haben 29 der kanadischen Kurzstreckenflieger gekauft, die Platz für 50 Passagiere bieten und als sicher und zuverlässig gelten.

Erst am Freitag hatte sich Chinas staatliche Luftfahrtbehörde mit "der besten Flugsicherheit aller Zeiten" und für den "Rekord von fünf Millionen Flugstunden ohne Unfall" gebrüstet. Seit Mai 2002, als eine Passagiermaschine in das Meer vor Dalian - auch nach einem Feuer an Bord - abstürzte und dabei 112 Menschen ums Leben kamen, habe es unter Chinas Fliegern keinen Absturz mehr gegeben.

Die Polizei vermutet im ungeklärten Unglücksfall von Dalian vorsätzliche Brandstiftung. Nach dem Absturz fand sie heraus, dass einer der damals ums Leben gekommenen Passagiere vor Flugantritt sieben Lebensversicherungen abgeschlossen hatte. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD Printausgabe 22.11.2004)