RFID-Tags (Radio Freqeuncy Identification) sind zwar aus Datenschutzgründen heftig umstritten, sie werden aber auch immer häufiger eingesetzt. Grund: Sie ermöglichen die kontaktlose Identifikation von allem, wo entsprechende Etiketten kleben und den üblichen Strichkode ersetzen sollen. Transport und Logistik, Lebensmittelhandel und Gesundheitswesen sind klassische Einsatzgebiete. Das vom FIT-IT-Programm des Infrastrukturministeriums geförderte Forschungsprojekt ART (Authentication for Long-range RFID Technology), eine Zusammenarbeit von TU Graz, Fachhochschule Johanneum, Philips und Siemens, will zwei Probleme dieser Technologie auf einen Schlag lösen: mehr Reichweite und mehr Sicherheit.

Und das geht so: RFID-Tags sind im Normalfall passive Systeme, sie beziehen ihre Energie aus dem Elektromagnetischen Feld, das sich zwischen Lesegerät und integrierter Antenne im Tag aufbaut. Momentan erreicht man - mit einer Antenne - Reichweiten von rund einem Meter (bei 13,56 MHz). Eine Verschlüsselung der gesendeten Daten, die erst eine sichere Übertragung zwischen Etikett und Lesegerät möglich macht und unerwünschte Mitleser verlässlich aussperrt, verbraucht allerdings zusätzlich Energie - auf Kosten der ohnehin knapp bemessenen Reichweite.

"Neues Chipdesign"

Eine Batterie könnte das Problem natürlich entschärfen, ist aber allein aus Kosten-und Entsorgungsgründen eine wenig elegante Lösung. "Um unter diesen rigiden Anforderungen an Platz- und Energiebedarf eine Verschlüsselung zu realisieren, braucht es ein neues Chipdesign", ermeint Michael Cernusca, zuständiger Product Manager bei Philips Semiconductors. Die Idee: den Verschlüsselungsalgorithmus so effizient zu berechnen, dass er zu Gänze in der Hardware abläuft, "für Software ist kein Platz, weil dazu ein enormer Controller notwendig wäre".

Die Schwierigkeit, so Cernusca: "Mit den üblichen Spezifikationen und Bibliotheken der Siliziumtechnologie funktioniert es nicht. Wir müssen dafür die Basiselemente weiterentwickeln und eine maßgeschneiderte Lösung schaffen." Unter verschärften äußeren Bedingungen: RFID-Tags müssen nicht nur energieeffizient arbeiten, sondern robust gebaut und gegenüber Störungen aus der Umgebung immun sein. Das Ziel: bei verschlüsselter Datenübertragung Reichweiten von 1,5 bis zwei Meter zu erreichen. Fertige Testchips gibt es bereits, bis September 2005 sollen erste Anwendungen demonstriert werden können. (hon, Der Standard, Printausgabe, 22.11.2004)