Hamburg - Schwere Foltervorwürfe gegen Ausbildner der deutschen Bundeswehr: Sie sollen bei inszenierten "Geiselbefragungen" Rekruten unter anderem mit Stromstößen gequält haben.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster gegen einen Hauptmann und 17 Unteroffiziere einer Ausbildungskompanie in Coesfeld. Die Ausbilder stünden im Verdacht der "Misshandlung" und der "entwürdigenden Behandlung von Untergebenen". Der Vorfall wurde inzwischen von einem Militärsprecher des Heerestruppenkommandos in Koblenz bestätigt.

Geiselbefragungen als Abschluss der Grundausbildung

Anlass sollen so genannte Geiselbefragungen als Abschluss der Grundausbildung gewesen sein. Demnach wurden die junge Männer auf Nachtmärschen in einem Hinterhalt überfallen, gefesselt und mit einem Stiefelbeutel überm Kopf mit Lastwagen in die Kaserne gebracht. In einem Dusch- und einem Kellerraum hätten sie kniend vor einer Wand verharren müssen und seien mit Wasser bespritzt worden.

Gefilmte Exzesse

Zwei Soldaten sollen mit Stromstößen aus einem Feldfernsprecher im Bereich von Hals, Leisten und Bauch gequält worden sein. Die Ermittler haben auch Hinweise, dass die Exzesse gefilmt und fotografiert wurden. Computer und andere Datenträger seien beschlagnahmt worden.

16 Beschuldigte wurden bereits vom Dienst suspendiert, hieß es. Sollten die Ausbildner von einem Gericht verurteilt werden, drohten ihnen Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren. (APA, AP)