Wien - Kalender sind Spaßverderber: Schließlich verraten sie, dass es vor der Tür mittlerweile nicht nur kalt, nass und neblig, sondern mitunter sogar schon verschneit sein kann. Doch da ein Leben ohne Überraschung fad ist, vermeiden schlaue Zeitgenossen vor der Inbetriebnahme ihrer Kraftfahrzeuge Kalender und andere Indizien (Blick aus dem Fenster, Wetterbericht).

Und so sorgte die Kombination "winterliche Straßenverhältnisse", und "Montag" auch diesen Montag für den jährlichen Ärger: In vielen Gebieten Österreichs kam es zu Unfällen und Verkehrsbehinderungen.

So bildeten sich auf der Westautobahn schon frühmorgens Staus: Aufgrund schlechter Sicht im dichten Schneetreiben kam es immer wieder zu Unfällen. Auch andere Autobahnen und Schnellstraßen wurden zu Nadelöhren. In der Obersteiermark forderte ein Unfall auf schneeglatter Fahrbahn ein Todesopfer.

Aufgrund der winterlichen Bedingungen musste auf zahlreichen Bergstraßen Kettenpflicht verordnet werden. In höheren Lagen muss ab sofort generell mit Schneefahrbahnen gerechnet werden.

Wien: Diesmal anders

Dass in Wien am Montag das traditionelle Winterausbruchsverkehrschaos ausblieb, überraschte nicht zuletzt die Wiener Linien. Schließlich, so Wiener-Linien-Sprecher Johann Ehrengruber, breche, "wenn im Winter der Winter mit drei Schneeflocken Einzug hält", sonst immer der Verkehr zusammen - wenn auch nur für einen Tag. Wieso das heuer nicht so war, kann sich Ehrengruber erst nach längerem Nachdenken erklären: "Letzte Woche gab es einen ganz kleinen Pseudowintereinbruch. Der war so kurz, dass nix passieren konnte - aber vielleicht war das Thema damit für die Wiener abgehakt. Für heuer."

Hohe Tatra zerstört

Während der Wintereinbruch österreichweit auch als PR-Botschafter der bundesweit meist auf das erste Dezemberwochenende platzierten "Ski Openings" herangezogen wird, hat der Sturm, der den Schnee brachte, das beliebteste Ferienzentrum der Slowakei - die Hohe Tatra - in eine Mondlandschaft verwandelt. Böen mit über 173 km/h plätteten den Wald, zwei Menschen kamen ums Leben. (rott, Der Standard, Printausgabe, 23.11.2004)