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Foto: APA/CATERINA KOENIG/AUGARTEN
Linz - In vier von fünf oberösterreichischen Gemeinden gibt es keine Krabbelstube. Zwei Drittel bieten keinerlei Nachmittagsbetreuung für VolksschülerInnen an. Dieses Zahlenmaterial stammt von der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich, die bereits zum sechsten Mal den so genannten Kinderbetreuungsatlas zusammengestellt hat.

Dazu wurden alle 445 Gemeinden nach den Einrichtungen und den Öffnungszeiten befragt. Das Ergebnis wurde in fünf Kategorien eingeteilt. Zu Kategorie A zählen jene Gemeinden, die eine Krabbelstuben einen Schülerhort sowie einen Kindergarten, der mindestens acht Stunden geöffnet hat, besitzen. Darüber verfügen 15 Prozent. Die unterste Kategorie E bietet lediglich einen Halbtageskindergarten an. Dieses Minimalangebot gibt es jedoch in 36 Prozent der Gemeinden.

Kein Bedarf

Das Argument, es bestehe in den jeweiligen Orten kein Bedarf an zusätzlichen Einrichtungen, will Elisabeth Buchinger, Leiterin des AK-Frauenbüros nicht gelten lassen: "Um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, braucht es eine langfristigen Planung." Und dazu gehöre das Vorhandensein von Betreuungsangeboten.

Die Plus City in Pasching bei Linz arbeitet derzeit an einem solchen Angebot. Das 70.000 Quadratmeter große Einkaufszentrum wird im kommenden Jahr einen eigenen Betriebskindergarten eröffnen. Geplant sind zwei Gruppen für jeweils 25 Kinder. Über die Öffnungszeiten werde derzeit noch verhandelt, sie sollen sich aber an den Betriebszeiten der 200 Geschäfte orientieren, heißt es bei der Plus City.

Eltern befragt

Vor zwei Jahren hat die Statistik Austria in Oberösterreich eine Befragung der Eltern durchgeführt. Das Ergebnis: Es fehlen 15.000 passende Betreuungseinrichtungen für Kinder aller Altersgruppen. So wünschte sich die Hälfte der Eltern flexiblere Öffnungszeiten. Ganztageskindergärten, wie jener in Kronstorf bei Steyr, der bereits um 15 Uhr schließt, sind auf dem Land keine Seltenheit. Die genauen Öffnungszeiten in den jeweiligen Gemeinden wurden im AK-Atlas aufgelistet.

Die Hälfte der Befragten vermisst überhaupt Angebote für Kleinkinder oder Volksschüler. Vor allem im Mühlviertel im Bezirk Rohrbach bestehe Nachholbedarf, meint Buchinger. In dem Bezirk existiert nur eine einzige Krabbelstube. So wundert es sie nicht, dass die Frauenerwerbsquote in diesem Bezirk unter dem Landesdurchschnitt liege. Nur 21 Prozent der in Rohrbach wohnenden Frauen arbeiten auch. Von den in Oberösterreich lebenden Frauen sind jedoch 54 Prozent erwerbstätig.

Vor allem in den ländlichen Regionen sei dies ein Problem, bestätigt der für Kindergärten zuständige VP-Landesrat Viktor Sigl. Er startete die Offensive, die Kindergärten für unter Dreijährige und Schulkinder zu öffnen. Ein Angebot, das bereits gut angenommen werde. "Mittlerweile sind schon 171 Kleine und Große in 44 Kindergärten integriert", erklärt Sigl.

Ab dem kommenden Kindergartenjahr soll dieses Pilotprojekt zur Regel werden. Dazu muss noch die entsprechende Gesetzesnovelle im Landtag verabschiedet werden. Für "finanzschwächere Gemeinden" stellt der Landesrat in Aussicht, dass das Bildungsressort die Hälfte der zusätzlichen Personalkosten übernehme. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 23.11.2004)