Wien - Harsche Kritik an den ÖBB kommt jetzt verstärkt aus der Speditionsbranche. "Die ÖBB sind kein neutraler Wettbewerber; wenn wir mit ihnen fahren, dann immer mit der Gefahr, dass uns Kunden abgejagt werden durch die bahneigenen Speditionsgesellschaften", sagte der Chef der Spedition Cargo-Partner, Stefan Krauter, dem Standard.

Cargo-Partner mit Sitz in Fischamend (NÖ) ist auf Luft- und Seefracht spezialisiert, beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und transportiert pro Jahr etwa 40.000 Tonnen TEU (twenty foot equivalent unit, Standardcontainer zu 20 Fuß Länge; Anm.) auf der Schiene. Aneinander gereiht entspricht das einem Containerzug, der 240 km lang ist. Etwa ein Viertel des Volumens geht über Gleise der ÖBB.

Auf die Schiene könne keineswegs verzichtet werden, sagte Krauter, der Lkw sei nicht immer und überall eine Alternative. Sollten die ÖBB daran festhalten, mit Steuergeld ihr Speditionsgeschäft weiter auszubauen, werde man ernstlich überlegen, Ganzzüge in Eigenregie zu führen. Krauter: "Einen passenden Traktionspartner zu finden sollte kein Problem sein."

Detroit Europas

Wachstumschancen sieht Krauter in Zentral- und Osteuropa, wo Cargo-Partner mit 270 Personen gleich viel Mitarbeiter beschäftigt wie in Österreich. "Im Umkreis von 350 km von Wien entsteht eine Art europäisches Detroit; da sind Logistiker gefragt", sagte Krauter. Die Produktionskapazität in der Region werde bis 2007 auf acht Mio. Stück steigen und damit etwa die Hälfte des Niveaus der amerikanischen Autometropole erreichen.

Gegenüber den Großen der Branche könne ein mittelständisches, privates Unternehmen wie Cargo-Partner, das sich erneut ein zweistelliges Umsatzwachstum zum Ziel gesetzt hat, durch mehr Flexibilität punkten. Krauter: "Wir sind schlank, Entscheidungen fallen rasch, das kommt gut an." Heuer rechnet Krauter mit einem Umsatzplus von 18 Prozent auf 145 Mio. Euro. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2004)