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Graz - "Engagierte Literatur ist eigentlich heuer unser geheimes Festivalmotto", erklärt Riki Erwa-Winter, die Organisatorin des Kinder- und Jugendbuchfestivals Bookolino , das heute, Mittwoch, im Grazer Literaturhaus eröffnet wird. "Bücher, die sich zum Beispiel mit Gewalt, Rassismus, dem Leben in Entwicklungsländern aber auch Vergewaltigungen auseinander setzen, hatten heuer Vorrang."

So liest etwa am Donnerstag Nasrin Siege, die sich selbst in Projekten für Straßenkinder in Afrika engagiert, aus Juma, ein Straßenkind aus Tansania. Wirklich tonangebend ist das "geheime Motto" aber in der "Booko Nightline" für Jugendliche ab 13. Elisabeth Zöller, Spezialistin für jugendgerechte, einfühlsame Aufbereitungen von Themen wie Nationalsozialismus und Neofaschismus, wird in diesem Rahmen am Freitag ab 19 Uhr aus ihrem neuesten Roman Anton oder die Zeit des unwerten Lebens lesen. Die Geschichte des Kindes Antons, die durch das Leben von Zöllers Onkel inspiriert wurde, erzählt anhand eines realen Falls die Geschichte der Nazi-Euthanasie.

Das Kinder- und Jugendbuchfestival fand letztes Jahr zum ersten Mal statt und kam bei Kinder, Eltern und Lehrern sehr gut an. Neben dem aktuellen Programm von rund 60 Verlagen und Lesungen werden auch heuer Workshops - wie "Schreiben gegen Gewalt" oder "Geschichten erfinden" - angeboten. Freitagabend gibt es nach den Lesungen von Zöller, Zoran Drvenkar und Monika Pelz, ein Fest mit der Band Matao.


Literarische Vollbäder

Für kleinere Leser hat Verena Wagner die Parterreräume des alten Palais wieder in fantastische Spielwiesen verwandelt, wo man liegend, sitzend, oder im virtuellen Zugabteil fahrend schmökern kann. Wagner, die bei Erwin Wurm studiert und als Filmausstatterin arbeitet, hatte sich mit der Gestaltung von Bookolino 2003 die Latte selbst sehr hoch gelegt - und sich heuer noch übertroffen. Sie hat den jungen Gästen ein Riesenbadezimmer gebaut, das mit bunten Duschvorhängen in kleinere Zellen unterteilt ist, wo zwischen kuscheligen Handtüchern und anderen bunten Badeutensilien überall Lesestoff wartet. In echten - wenn auch völlig trockenen - Wannen können die Kids hier in Geschichten baden.

Nebenan befindet sich ein Dorf aus lauter kleinen Schachtelhäusern, in denen jedes Kind ungestört Hörspielen lauschen kann. Der "Club 2-Raum" mit dem mannshohen Fauteuil, das als Riesenthron für Zwerge schon im Vorjahr für Aufsehen sorgte, und ein eisblauer Nordpolraum mit Glitzersternen und Plüscheisbären sind die letzten Stationen für eine ausgedehnte Lesereise, auf der - bis Samstag täglich von 9 bis 18 Uhr - auch eingekauft werden kann. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2004)