Moskau/Crawford/Washington/Berlin - In der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat einem russischen Medienbericht zufolge eine Dringlichkeitssitzung der für Sicherheit zuständigen Kabinettsmitglieder begonnen. An dem Treffen nähmen Verteidigungsminister Alexander Kusmuk, Innenminister Nikolai Bilokon und der Chef des ukrainischen Geheimdienstes, Igor Smeschko, teil, berichtete die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS am Dienstagabend unter Berufung auf Mitarbeiter der ukrainischen Regierung.

Zehntausende Anhänger des pro-westlichen Oppositionsführers Viktor Juschtschenko protestieren derzeit gegen das offizielle Ergebnis der Präsidentenwahl vom Sonntag, dem zufolge der pro-russische Regierungschef Viktor Janukowitsch die Abstimmung gewann. Die Opposition und westliche Beobachter hatten die Wahl als undemokratisch kritisiert. Juschtschenko hatte sich am Nachmittag im Parlament zum Präsidenten ernannt.

Die USA haben sich indes erneut "tief beunruhigt" über die Vorwürfe des Wahlbetrugs in der Ukraine gezeigt. Die stellvertretende Sprecherin des Weißen Hauses, Claire Buchan, forderte am Dienstag an der Ranch von Präsident George W. Bush in Texas die ukrainischen Behörden auf, das bisherige Ergebnis der Präsidentschaftswahl noch nicht abzusegnen. Zunächst müssten die Untersuchungen zu den Vorwürfen möglicher Manipulationen abgewartet werden.

Das Außenamt in Washington verlangte eine "vollständige und sofortige" Untersuchung der Betrugsvorwürfe. Nach Angaben von Ministeriumssprecher Adam Ereli wurde der ukrainische Botschafter ins Haus einbestellt, wo ihm Staatssekretärin Elizabeth Jones diese Forderung persönlich vortrug. Sollte die Legitimität der Wahl nicht hergestellt werden, werde dies Konsequenzen für die bilateralen Beziehungen haben, warnte Ereli. Schon am Vortag hatte der US-Außenamtssprecher diplomatische Sanktionen angedroht.

Der US-Beobachter bei der Präsidentenwahl in der Ukraine, Senator Richard Lugar, rief Europa zum Druck auf die Ukraine auf. Europa müsse dabei helfen, "Konsequenzen" gegen die ukrainische Führung zu erzwingen, sollte diese nicht einen fairen Ausgang der Abstimmung gewährleisten, sagte Lugar am Dienstagabend nach einem Treffen mit dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. Zur Art der "Konsequenzen" äußerte sich Lugar nicht. Die Wahl in der Ukraine biete eine neue Gelegenheit zur Zusammenarbeit, um die transatlantischen Beziehungen zu verbessern, sagte der US-Senator, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, weiter. Lugar hatte am Montag ein "konzertiertes Programm zum Wahlbetrug" in der Ukraine kritisiert. (APA)