Wien - Die Bedeutung und Notwendigkeit der finanziellen Absicherung sowie des Ausbaus der Interventionsstellen gegen Gewalt betonte die Zweite Nationalrats-Präsidentin und SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen. Die Politikerin kritisierte Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V), "die die dafür nötigen Budgetmittel nicht bereitstellen konnte und nur optional in den Raum gestellt hat, dass eine dauernde finanzielle Absicherung vielleicht 2006 möglich wäre".

Prammer wollte den Internationalen Tag auch dazu nützen, die Regierung dazu zu drängen, bezüglich eines Anti-Stalking-Gesetzes aktiv zu werden, um Frauen vor Telefonterror, Verfolgen und "Abpassen" etc. zu schützen. Die Zweite Nationalrats-Präsidentin verwies auf eine aktuelle Studie unter Frauen von 18 bis 40 Jahren. Danach sind zehn Prozent bereits körperlich bedroht worden, 17 Prozent wurden schon begrapscht, 28 Prozent verbal sexuell belästigt und 47 Prozent gaben an, einen Umweg in Kauf zu nehmen, um solchen Situationen zu entgehen.

Ausbau gefordert

Prammer erinnerte daran, dass der Erfolg des Gewaltschutzgesetzes mit der Existenz der Interventionsstellen zusammenhänge. Denn diese müssten über bevorstehende Wegweisungen von der Polizei informiert werden, nehmen mit den Betroffenen Kontakt auf "und können den Frauen daher mit Rat und Tat zur Seite stehen". Forderung Nummer eins sei daher, "die Interventionsstellen nicht nur zu sichern, sondern auszubauen".

ÖVP: Parteipolemik

"Es ist schade, dass die SPÖ selbst bei diesem heiklen Thema nicht vor Parteipolemik zurückschreckt", reagierte die stellvertretende Wiener Landesparteiobfrau Christine Marek (V) in einem Pressegespräch auf Prammers Aussagen. "Von Kürzungen, wie die SPÖ-Frauen auf ihrer heutigen Enquete behaupten, kann keine Rede sein, sondern nur von Aufstockung und Ausbau", meinte die Nationalratsabgeordnete.

"1999 unter SPÖ-Frauenministerin Barbara Prammer", so Marek weiter, "hat das Ministerium nur 976 Millionen Euro für Anti-Gewalt-Maßnahmen ausgegeben, heute unter Frauenministerin Maria Rauch-Kallat sind es 1,7 Millionen Euro. Und für 2005 werden die Aufwendungen für dieses wichtige Thema noch steigen."

"Hinschauen statt Wegschauen muss in allen Belangen gelten, nämlich 365 Tage im Jahr", erklärte ÖVP Wien-Chef Johannes Hahn anlässlich des White Ribbon Day. "Es braucht Männer, die sich gegen Gewalt einsetzen und überzeugend und nachhaltig dafür eintreten, dass Gewalt an Frauen kein Kavaliersdelikt ist", so Johannes Hahn. (APA)