Wien - Der ehemalige Wiener Vizebürgermeister und ÖVP-Obmann Bernhard Görg (62) hat heute, Donnerstag, im Wiener Landtag seine Abschiedsrede gehalten. Er habe gerne für Wien gearbeitet, "und es war eine Ehre, diesem Haus, dieser Stadt und ihren Bürgern dienen zu dürfen", so Görg. Der sichtlich gerührte Bürgermeister Michael Häupl (S) dankte seinem früheren Koalitionspartner mit einem festen Händedruck, und von den Rathaus-Mandataren aller vier Fraktion gab es Standing Ovations.

Stolz

"Ich war immer stolz darauf, für unsere Gesinnungsgemeinschaft in führender Position tätig sein zu können und immer stolz darauf, ihr anzugehören", sagte Görg, der nach zwölf Jahren in der Kommunalpolitik nun auch sein Gemeinderats- und Landtagsmandat zurücklegt. Gleichzeitig sei er aber ein Politiker, der von Zeit zu Zeit mit allen Fraktionen, auch der eigenen, Schwierigkeiten gehabt habe. Er habe vieles von seinem "tiefschwarzen" Vater angenommen, und schon dieser habe als ÖVP-Vizebürgermeister und Wohnbaustadtrat von Horn Probleme bekommen, weil er Wohnungen an "arme Teufel" auch unter den SPÖ-Sympathisanten vergeben habe.

Görg zitierte den zweiten US-Präsidenten John Adams, der über Thomas Jefferson gemeint habe: "Jefferson sagt den Leuten, was sie hören wollten, ich sage ihnen, was sie wissen müssen." Er sei immer ein Freund Adams' gewesen, auch wenn Jefferson viel berühmter geworden sei.

Ökonomie mit Führungsrolle

Der scheidende ÖVP-Mandatar plädierte dafür, dass angesichts einer globalisierten Wirtschaft auch die Politik internationaler agieren müsse, um den Menschen weiterhin Wohlstand und ein engmaschiges soziales Netz garantieren zu können. Während die Ökonomie aber dabei sei, der Politik die Führungsrolle aus der Hand zu nehmen, würden die Politiker in der Hoffnung auf ihre Wiederwahl vor allem lokal und regional agieren, so Görgs Befund.

Dabei konnte er sich einen Seitenhieb auf die ÖVP nicht verkneifen. "In meiner Partei singen besonders viele und besonders inbrünstig das Hohelied von der moralischen Überlegenheit des Föderalismus", so Görg. Er selbst könne dagegen nicht "die göttliche Ordnung dahinter" erkennen, wenn es neun verschiedene Bauordnungen gebe: "Das ist eher Ausdruck landespolitischer Wichtigtuerei und Krähwinkelei."

Von Häupl gab es für Görg lobende Worte. "Er war ein verlässlicher Partner", sagte er zur APA. "Ich erinnere mich gerne und angenehm an die viereinhalb Jahre gemeinsame Zeit." Im Gegensatz zu seinem Image bei den eigenen Parteifreunden sei Görg ein gar nicht so einfacher Koalitionspartner gewesen. Man habe sich des Öfteren erst zusammenraufen müssen, dann habe er aber Handschlagqualität gezeigt: Häupl: "Was ausgemacht war, das hat gehalten, das war wirklich okay." (APA)