Ramallah - Erstmals seit mehr als eineinhalb Jahren ist ein Abgesandter der Palästinenserführung zu einem direkten Gespräch mit dem in Israel inhaftierten Fatah-Politiker und Präsidentschaftskandidaten Marwan Barghuti zusammengekommen. Der palästinensische Minister Kadura Fares besuchte Barghuti am Freitag im Gefängnis von Beersheba, um ihn über "die Situation in den Gremien und an der Basis der Fatah" zu informieren, wie Fares der Nachrichtenagentur AFP am Telefon sagte.

Vermutlich ging es bei dem Gespräch auch um Barghutis Ankündigung vom Vortag, bei der Präsidentschaftswahl im Jänner zu kandidieren; der Fatah-Politiker wäre damit Gegenkandidat von PLO-Chef Mahmud Abbas, der von der Fatah zum offiziellen Kandidaten gekürt wurde.

"Derzeit der wichtigste Führer"

Fares deutete an, Barghutis Kandidatur akzeptieren zu wollen: "Marwan ist derzeit der wichstigste Führer innerhalb der Fatah. Wir werden jede seiner Entscheidungen respektieren." Umfragen zufolge hätte Barghuti gute Aussichten auf einen Sieg gegen Abbas. Der Politiker sitzt seit zwei Jahren in israelischer Haft. Er wurde wegen mehrfachen Mordes zu einer fünffachen lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Seit seiner Inhaftierung im April 2003 hatte er im Gefängnis lediglich seine Anwälte empfangen können.

Am Donnerstagabend gab mit dem Fatah-Revolutionsrat das letzte Gremium der Bewegung seine Zustimmung zu Abbas' Ernennung als offizieller Kandidat für die Präsidentschaft. 107 der 109 anwesenden Mitglieder hätten sich für die Kandidatur des PLO-Chefs ausgesprochen, teilte Kabinettssekretär Tayeb Abdelrahim in Ramallah mit. (APA)