Wien - "Viel Unsicherheit" und "keine klare Linie" ortet SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser bei Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) in schulpolitischen Fragen. Trotz des zu erwartenden "dramatischen" Rückfalls bei der PISA-Studie zeichne sich "absolut keine Trendwende ab, und mit dem Prinzip Hoffnung wird es nicht getan sein", so Niederwieser in einer Aussendung. Gleichzeitig blende Gehrer bei ihrer Aufzählung von geplanten Veränderungen "jene Schwachstellen aus dem Blickfeld ideologischer Scheuklappen aus, die der ÖVP nicht genehm sind".

Seit langem würden bereits wesentliche Vorschläge für eine nachhaltige Verbesserung des Schulsystems auf dem Tisch liegen, so Niederwieser. "Die einseitige Definition durch die Ministerin, was geschehen darf und was nicht, blockiert einen parteiübergreifenden Konsens über ein Reformpaket", so der SPÖ-Politiker. Neben dem SPÖ-Bildungsprogramm und den Vorschlägen der Zukunftskommission gebe es von ÖVP und FPÖ kaum ein aktuelles und auf den neuesten Erkenntnissen der Pädagogik beruhendes Konzept. Die PISA-Ergebnisse will Niederwieser im Parlament diskutieren, außerdem müsse der Endbericht der Zukunftskommission rasch vorgelegt und binnen drei Monaten ein Aktionskatalog erarbeitet werden, auf den sich alle Parlamentsparteien einigen können.

"Unfähigkeit zur Selbstkritik"

"Unfähigkeit zur Selbstkritik" attestierte der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz der Bildungsministerin in einer Aussendung. Sie zeige keine Bereitschaft, die Fehler der Vergangenheit kritisch zu analysieren und eine Trendumkehr einzuleiten. Obwohl auch der Vorsitzende der Zukunftskommission, Günter Haider, den Ausbau von Ganztagsschulen und die Abkehr von der frühen Selektion in AHS-Unterstufe und Hauptschule als dringend notwendig erachte, spreche Gehrer "in bekannter Kampfrhetorik von Uraltmodellen", so Brosz.

FPÖ-Bildungssprecherin Mares Rossmann will vor allem bei der Früherziehung der Kinder ansetzen. "Im Besonderen muss mehr Augenmerk auf die Unterrichtssprache Deutsch vor allem hinsichtlich der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache gelegt werden", so Rossmann in einer Aussendung. Die Ankündigung Gehrers, in der Hauptschule das Lesen flächendeckend zu überprüfen, ist für Rossmann zu spät angesetzt. Sie wünscht sich eine Überprüfung am Ende der zweiten Volksschulklasse.

Auch Vizekanzler Hubert Gorbach (F) sieht als Ursache für Abschneiden in der PISA-Studie, "dass der Anteil von Kindern, die der deutschen Sprache nicht wirklich mächtig sind, in den Schulen im Ansteigen" sei. Der in diesem Zusammenhang beschlossene Integrationsvertrag sei daher "dringend zu evaluieren". Er erinnere sich "auch an beschlossene Sanktionen, im Falle der Nichtannahme dieses Angebots in Form von Deutschkursen". (APA)