Kiew/Brüssel - Der scheidende Präsident der Ukraine, Leonid Kutschma, hat "jede Teilung" des Landes als "nicht hinnehmbar" bezeichnet. Kutschma sagte dies am Montag nach einem Treffen mit Regierungschef Viktor Janukowitsch und Gouverneuren der östlichen Regionen des Landes. Bei einer Zusammenkunft am Sonntag hatten Vertreter dieser Regionen Abstimmungen über eine Autonomie angedroht, sollte Oppositionsführer Viktor Juschtschenko Präsident werden.

Der Osten der Ukraine ist eine Hochburg von Regierungschef Janukowitsch, der zum Sieger der umstrittenen Präsidentenwahl vom 21. November erklärt worden war. Gegen das offiziell verkündete Ergebnis gehen seit vergangenem Montag hunderttausende Anhänger von Jutschtschenko auf die Straßen, vor allem in der Hauptstadt Kiew und im Westen des Landes.

EU und NATO warnen vor Teilung

Auch die Europäische Union und die NATO warnten am Montag vor einer Spaltung des Landes. "Die Einheit der Ukraine ist von fundamentaler Bedeutung", sagte der EU-Außenpolitik-Beauftragte Javier Solana am Montag in Brüssel. "Wir bekräftigen die Bedeutung der territorialen Integrität der Ukraine", betonte auch NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer.

Solana und De Hoop Scheffer riefen zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes auf. "Wir müssen den Ausbruch von Gewalt mit allen Mitteln verhindern", sagte Solana. Er betonte, auch der russische Präsident Wladimir Putin habe sich beim EU-Russland-Gipfel in der vergangenen Woche für den Erhalt der Ukraine als ein Staat ausgesprochen.

Der NATO-Chef und der EU-Außenpolitikbeauftragte verwiesen auf die Beratungen des Obersten Gerichts der Ukraine über Beschwerden der Opposition wegen Betrugs bei der Präsidentenwahl. Er hoffe, dass das Höchstgericht zu einer Lösung beitragen könne, sagte Solana. Bereits am vergangenen Donnerstag hatten die Richter die Veröffentlichung des Wahlergebnisses gestoppt. Am Samstag hatte auch das ukrainische Parlament "grobe Verstöße gegen das Wahlgesetz" festgestellt und eine Annullierung der Stichwahl gefordert.

"Wir wollen eine Spaltung der Ukraine verhindern", betonte auch Kommissionssprecherin Francoise Le Bail. Die Konfliktparteien müssten eine Lösung im Dialog finden. Der Wille der ukrainischen Wahlbevölkerung müsse respektiert werden.

In der Ukraine wird befürchtet, dass es im Zuge des Wahlstreits zu einer Spaltung des Landes kommen könnte. Der Osten gilt als Hochburg des pro-russischen Regierungskandidaten Viktor Janukowitsch. Dieser war von der Zentralen Wahlkommission zum Sieger erklärt worden, obwohl internationale Beobachter Unregelmäßigkeiten bei der Wahl kritisiert hatten. Der Westen des Landes unterstützt dagegen überwiegend den pro-europäischen Oppositionskandidaten Viktor Juschtschenko. (APA)