Es sind nun schon fast zwei Monate vergangen, seit der Wiener Leitindex nach der zermürbenden Sommer-Lethargie aus der Broadening Formation ausgebrochen ist und damit ein neues, bullishes Lebenszeichen von sich gegeben hat. Wir haben unsere positive Einschätzung für den ATX in der vergangenen Analyse noch einmal bestätigt. Der letzte von Chartanalyst empfohlene Neueinstieg liegt mit mehr als 10 Prozent Plus mittlerweile klar in der Gewinnzone. Das ist allein die Performance, welche seit dem Ausbruch aus der Broadening Formation Anfang Oktober erzielt wurde. Beinahe täglich erreichen die im Index enthaltenen Einzeltitel neue Rekordhochs. Die Bullen sind im Freudentaumel und lassen schon die Sektkorken knallen. Sollen wir jetzt gehen, wo die Party am schönsten ist?

Starker Rückhalt erst am Aufwärtstrend

Aus langfristiger Perspektive hat sich seit der letzten Analyse wenig geändert. Der Aufwärtstrend ist nach wie vor intakt. Allerdings hat sich der ATX von der entsprechenden Trendlinie, welche momentan bei cirka 2100 Indexpunkten liegt, mittlerweile deutlich nach oben abgehoben. Ohne den Aufwärtstrend zu gefährden, besteht derzeit ein Verlustpotenzial von etwas weniger als 200 Punkten oder etwas mehr als acht Prozent. Im Bereich der erwähnten Aufwärtstrendlinie befinden sich zudem weitere Unterstützungen, sodass dort mit einem starken Rückhalt gerechnet werden darf. In diesem Zusammenhang seien die ehemalige Begrenzungslinie der Broadening Formation bei 2120 sowie die beiden Unterstützungen bei 2140 und bei 2075 Punkten genannt.

Spielraum kurzfristig eher begrenzt

Weiter oben sind Unterstützungen zunächst noch dünn gesät: Hier könnte sich der Bereich von 2220 bis 2235 als neue Kursstütze herausbilden. Nach oben hin sehen wir kurzfristig nicht mehr allzu viel Spielraum. Aus der aktuellen Bewegung heraus könnte der ATX noch in die Gegend von 2350 bis 2400 laufen, spätestens dort wäre vernünftigerweise eine Konsolidierung zu erwarten.

Markttechnik noch ok aber mit Warnsignalen

Die Markttechnik zeichnet das für eine Rally typische Bild: Die Trendfolge-Indikatoren MACD und Directional Movement System sind dementsprechend bullish eingestellt. Andererseits deuten die Oszillatoren deutlich darauf hin, dass der ATX nicht mehr billig ist. Sowohl der RSI als auch die Stochastik notieren auf sehr hohen Niveaus. Dies ist als Warnzeichen für eine anstehende Konsolidierung zu interpretieren. Vorerst wurden allerdings noch keine Verkaufssignale generiert.

Strategie

So spannend die Situation beim ATX auch immer sein mag, so überraschungslos bleibt vorerst unser Fazit: Wie zuletzt lautet die Empfehlung nämlich auch diesmal: Stay Long. Solange der Aufwärtstrend intakt ist, bleibt der Wiener Leitindex aus längerfristiger Perspektive weiterhin ein Bullenmarkt. Man sollte sich jedoch im Klaren sein, dass es früher oder später zu einer Begegnung mit der Aufwärtstrendlinie kommen wird. Wer als eher kurzfristig ausgerichteter Anleger einen Rückschlag zur Trendlinie nicht verkraften kann, wird seinen Stop schon knapp unter der höchsten Unterstützung einziehen. Längerfristige Stops bleiben hingegen unverändert bei 2075 Punkten und werden erst später nachgezogen. Ein Neueinstieg ist erst nach einer Konsolidierung an der starken Unterstützungszone in der Gegend der Aufwärtstrendlinie wieder ein Thema. (Wolfgang Weinmann)