Los Angeles - Die US-Marine hat Untersuchungen im Zusammenhang mit im Internet aufgetauchten Fotos von Misshandlungen irakischer Gefangener eingeleitet. Mindestens ein Dutzend Bilder habe ein Journalist, der diese auf einer kommerziellen Webseite fand, der Armee übergeben, sagte ein Sprecher der Marine.

Die Bilder sollen im Mai 2003 gemacht worden sein. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtete, stellte eine Frau die Fotos ins Internet; ihr Mann soll diese aus dem Irak mitgebracht haben. Auf den Bildern sind demnach Momente nach der Durchsuchung von Wohnungen von Zivilisten zu sehen.

Marines saßen auf Gefangenen

Ein Foto zeigt dem Bericht zufolge Angehörige der US-Marine, die auf vermummten und zusammengeschnürten Gefangenen sitzen, und unter anderem eine Schusswaffe auf den blutüberströmten Kopf eines Mannes richten. Andere Bilder zeigten grinsende Armeeangehörige, die auf drei vermummten Gefangenen sitzen. Abzüge der Fotos waren zunächst nicht erhältlich.

Wie kamen die Bilder ins Netz?

US-Marine-Kommandeur Jeff Bender sagte, die Fotos lägen der Marine seit vergangener Woche vor. "Wir haben dann Ermittlungen dazu eingeleitet, wie die Bilder ins Internet gelangten und wer dafür verantwortlich ist." Es werde derzeit auch überprüft, ob Marine-Angehörige angemessen gehandelt hätten.

Bender zufolge sehen die Regeln der Marine ein strenges Verbot vor, Gefangene abzulichten - außer es handle sich um Fotos, die für weitere Ermittlungen benötigt würden. Bevor Soldaten ihren Dienst anträten, würden sie darüber aufgeklärt. Auch wurden mit den Bildern offenbar Vorschriften verletzt, die es Angehörigen von Sondereinheiten bei verdeckten Ermittlungen untersagen, sich fotografieren zu lassen.

Im Zusammenhang mit dem Folterskandal im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib sind sieben Reservisten der amerikanischen Militärpolizei angeklagt worden. Fotos der Folterungen hatten im April weltweit für Empörung gesorgt. (APA/Reuters)