Wien - Als "Macho der Medienbranche" wird Kurt Falk (66) gelegentlich beschrieben, Unberechenbarkeit und einsame Entscheidungen werden dem Eigentümer von "täglich Alles" und "Die Ganze Woche" nachgesagt. Nun plant der Mitbegründer des österreichischen Medien-Boulevards seinen Rückzug von der Kommandobrücke. Die Vorentscheidungen dazu wurden am Mittwoch am Sitz der Familiapress getroffen. Das architektonisch auffällige Gebäude trägt den von Falk gegebenen Namen "Arche Noah". Als "Einzelgänger, der ohne großen Mitarbeiterstab Entscheidungen trifft und sofort umsetzt", beschrieb "Die Zeit" einst Falks Führungsstil. Sein Verhalten sei "kaum kalkulierbar". Und: "Exzentriker ist noch das Schmeichelhafteste, was Falk nachgesagt wird." Auch der Verleger selbst meinte vor Jahren, dass es einfachere Arbeitgeber als ihn gebe. Als "schwierigen Menschen" sehe er sich, sagte er in einem "Bunte"-Interview. "Weil ich immer das Optimum erreichen will und das mit mir selbst nie zusammenbringe und mit anderen meistens auch nicht. Ich stecke daher immer in Schwierigkeiten und bin fast nie zufrieden mit mir." Mit seinem unkonventionellen unternehmerischen Stil und ausgeprägtem Marketing-Geschick wurde Falk einer der größten und reichsten Medienmacher des Landes. Schon während seiner Schulzeit war der am 23. November 1933 Geborene gezwungen, Geld zu verdienen, wie das Munzinger-Archiv vermerkt: als Hilfsarbeiter am Bau und Hilfskraft einer Steuerberaterin etwa. Die berufliche Laufbahn begann bei der Österreich-Tochter des Henkel-Konzerns, zunächst als Hilfsbuchhalter, später im Marketing des Waschmittelkonzerns. 1959 brachte ihn der spätere ÖGB-Präsident und Innenminister Franz Olah mit einem Mann zusammen, der nach dem Ausscheiden aus der "Kurier"-Chefredaktion die "Illustrierte Kronen-Zeitung" wiederbeleben wollte: Hans Dichand. Gemeinsam machten Falk und Dichand die "Kronen Zeitung" zur Nummer eins am Markt und zum reichweitenstärksten Blatt des Landes - bis Falk 1974 nach 16 Jahren als treibende kaufmännische Kraft des Verlags wegen Differenzen über ein Redaktionsstatut ausschied. Der Streit mit Dichand eskalierte, weil Falk der Meinung war, ein Zeitungsverlag sei "auch nix anderes als a Waschmittelfabrik". Seinen 50-Prozent-Anteil an der "Krone" verkaufte Falk erst 1987, von Dichand mit rund 2,2 Milliarden Schilling ausbezahlt. Die Mittel stammten unter anderem von der deutschen WAZ-Gruppe, die dafür zunächst 45 (mittlerweile aufgestockt auf 50) Prozent der "Krone" übernahm. Schon 1985 hatte Falk - nach Versuchen mit Speiseeis, Holzhandel und "Matador"-Spielzeug - "Die Ganze Woche" gegründet. Reichweitenerfolge schaffte er auch hier rasch: 22,4 Prozent Tagesreichweite beziehungsweise 1,4 Millionen Leser erreicht die Wochenzeitung zuletzt. Sein bisher letzter Wurf gelang Falk mit "täglich Alles": Unterstützt von Billigpreis und üppigen Marketingaktionen - wie die Konkurrenz gerne hervorhebt - brachte es die Zeitung nach dem Start im April 1992 aus dem Stand auf 1,1 Millionen Leser und landete damit hinter der "Krone" auf Platz zwei des Tageszeitungsmarktes. "Kritisch gegenüber den Mächtigen, hilfreich den Schwachen, den Tatsachen verpflichtet", lautete das Motto des neuen Blattes. Relativ bald ging es aber mit den Leserzahlen wieder bergab. Preiserhöhungen und Marketingaktivitäten der Konkurrenz trugen das Ihre dazu bei. Zuletzt kam "täglich Alles" nur mehr auf 9,4 Prozent Tagesreichweite und 623.000 Leser, was aber immer noch den vierten Platz unter Österreichs Tageszeitungen bedeutet. Seit Herbst 1991 verfügt Falk über eine moderne Farb-Druckerei in Wien-Floridsdorf. Stimmen die kolportierten Pläne, könnte diese nun verkauft werden. "Die Ganze Woche" will der Verleger behalten und wieder in Deutschland drucken lassen. "täglich Alles" könnte mit Hilfe eines kräftigen Finanzpartners von den Mitarbeitern geführt werden. In den vergangenen Monaten soll Falk Gespräche über den Verkauf der Tageszeitung geführt haben. Der deutsche Bauer-Verlag, der Axel Springer-Verlag, ein großes österreichisches Medienhaus und Ex-Partner und "Krone"-Chef Dichand wurden in der Branche genannt. (APA)