Graz/Spielberg/Wien – In der obersteirischen Region Aichfeld herrscht seit dem negativen Spruch des Umweltsenates über das Red-Bull-Projekt Tristesse. "Auch Millioneninvestitionen, die wir wegen Red Bull zusätzlich bekommen hätten, gehen uns jetzt flöten. Wir sind deprimiert", sagt der Spielberger Bürgermeister Kurt Binderbauer. Deprimiert auch über die seiner Meinung nach mangelnde Durchsetzungskraft der hiesigen Politiker. "Wenn der Pröll unser Landeshauptmann wäre, hätten wir das Red-Bull-Projekt", glaubt Binderbauer an mehr politische Potenz im Nachbarbundesland Niederösterreich unter dem dortigen Landeshauptmann Erwin Pröll. Dennoch: Es bleibe das Prinzip Hoffnung.

Maßgeschneiderte Änderungen der UVP

Bauernbundpräsident und Regionalabgeordneter Fritz Grillitsch ist überzeugt, dass mit der Donnerstagabend im Parlament beschlossenen "Lex Spielberg" eine erste legistische Vorleistung erbracht worden sei, um das Rennsportprojekt des Red-Bull-Chefs Dietrich Mateschitz, das vom Bundes-Umweltsenat wegen mangelhafter Unterlagen der steirischen Beamten abgelehnt worden war, doch noch zu retten. Im Zusammenhang mit der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurden vom Parlament – relativ unbemerkt – auf Spielberg zugeschnittene Änderungen vorgenommen.

So werden etwa künftig zu den 28.000 Flugbewegungen im angrenzenden Airport Zeltweg weitere 15.000 genehmigt – ohne dafür eine UVP vorlegen zu müssen. Grillitsch zum STANDARD: "Wir werden bis Jänner Red Bull ein wasserdichtes Paket vorlegen können, mit dem das Projekt genehmigungsreif ist."

"Taskforce"

Daran werde auch die "Taskforce", die auf Bundesebene eingerichtet worden sei, intensiv arbeiten. Um diese Arbeitsgruppe hat es zuletzt aber einige Missstimmung gegeben. In der ersten Sitzung saßen den Ministern Martin Bartenstein und Josef Pröll zwei subalterne Beamte der steirischen Landesregierung gegenüber, was umgehend Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Bemühungen der steirischen Politik, das Projekt zu retten, aufkommen ließ.

Ob sich Red-Bull-Chef Mateschitz, der in Spielberg bereits rund 80 Mio. Euro investiert hat, noch überreden lässt, ist völlig offen. Es stehen nach wie vor Gerüchte im Raum, der negative Senatsentscheid habe auch einen guten Zeitpunkt für einen Ausstieg – wegen des teuren Formel-1-Engagements – geschaffen. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.12.2004)