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Männer im Anzug: George Clooney (li.), Elliott Gould, Brad Pitt und Don Cheadle, ein Drittel von "Ocean's Twelve"

Foto: Reuters/Warner
... Starmodels wie George Clooney oder Brad Pitt inklusive, und einen Krimiplot gibt es auch noch irgendwo ...


Wien - George Clooney geht shoppen. War er zu Beginn von Ocean's Eleven (2001) noch gelangweilt, so ist er am Anfang von Ocean's Twelve nun romantisch gestimmt. Das Geld sitzt dementsprechend locker. Und den Verheißungen der Konsumwelt, Abteilung Luxusgüter, war ein Meisterdieb ja immer schon erlegen.

Jenes Kalkül, das deren Beschaffung unter Umgehung jedweder Zahlungsmodalität anstrebte, scheint allerdings etwas verkümmert. Das Capermovie - ein Subgenre des Gangsterfilms, das von Virtuosität und Dynamik, von der Planung und Ausführung ausgeklügelter krimineller Vorhaben, vom kunstvollen betrügerischen Transfer wertvoller Güter erzählte - wird in Steven Soderberghs aktuellem Film zu einem fernen Bezugspunkt umfunktioniert. Der große Coup war früher. Unter Millionären pflegt man einen anderen Zeitvertreib.

Doch Besitz macht angreifbar: Der Vorruheständler Ocean und seine Gang freischaffender Spezialisten sehen sich überraschend mit dem drohenden Verlust ihrer Vermögen konfrontiert. Vermeintlich, in Form einer rasanten Abfolge von unliebsamen Besuchen an diversen Orten, hat ihre Vorgeschichte sie nämlich eingeholt. In Wahrheit jedoch sind sie bloß Teilnehmer eines Spiels, bei dem es darum geht, den Besten der Besten zu ermitteln. Ein hedonistisches Gaunerwettrennen sozusagen, angezettelt von einem beleidigten, eitlen Franzosen (Vincent Cassel), der seinen Titel intrigant verteidigt und nebenbei die Bedürfnisse des französischen Publikumssegments bedienen darf.

Ausstattungskino

Es geht also um nichts in diesem Film als um die Versammlung von Schauwerten und von Stars. Albert Finney, Jeroen Krabbé oder Eddie Izzard verdingen sich als Kleinstdarsteller. Das Wetter ist fast immer prima. Die Suche nach einem möglichst lukrativen Zielobjekt führt zunächst (Reiseveranstalter aufgepasst!) nach Amsterdam, in weiterer Folge dann nach Rom und in Abstechern an den Comer See - wie jeder halbwegs aufmerksame Klatschspaltenleser weiß, besitzt George Clooney dort seit einiger Zeit ein Anwesen und angeblich gedenkt auch Brad Pitt sich dort niederzulassen.

Pitt trägt in Ocean's Twelve übrigens wahlweise fließende Seidenhemden, weißen Trenchcoat oder schwarzen Ledermantel. Auch das restliche Ensemble ist eine wahre Freude für jeden metrosexuellen Herrenausstatter. Die entsprechende Damenoberbekleidung wird diesmal vorrangig von Catherine Zeta-Jones (in der Rolle einer modebewussten Ermittlerin) vorgeführt. Wiewohl auch Julia Roberts ein paar Auftritte absolviert. Und Soderbergh mit ihr sich selbst und seinen Film-im-Film Full Frontal (2002) zitiert - täuscht Roberts alias Tess Ocean doch im Zuge des großen Coups vor, der Hollywoodstar Julia Roberts zu sein (samt dickem Kissen unterm Schwangerschaftskleid)!

Das wiederum bietet einen Vorwand, um Bruce Willis als er selbst ein paar Momente einzuräumen, in denen der Film sich einmal mehr kurzschließt mit der Leserschaft von Regenbogenpresse und Gesellschaftsmagazinen.

Davor und dazwischen gibt es immer wieder Gruppenszenen, in denen verklausulierte Sätze reihum gehen oder Clooney selbstironisch mit dem Alter kämpft. Nicht nur die Charaktere sind hier reine Schimäre. Mittels visueller Hektik und des einen oder anderen Soundtrack-Hadern behauptet Soderbergh erzählerische Dynamik. Unterm Strich bleibt davon nicht mehr übrig als sehr gepflegte Langeweile und ziemlich ärgerliche Wichtigtuerei. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2004)