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Ein Teil der im "Französischen Salon" entdeckten Abhöranlage.

Foto: REUTERS/Handout Swiss TV
Bei den Vereinten Nationen bahnt sich ein neuer Spionageskandal an. In einem Konferenzraum des europäischen UN-Hauptsitzes in Genf, dem "Französischen Salon", fanden UN-Techniker "hoch entwickelte Abhöranlagen". Das bestätigte UN-Chefsprecherin Marie Heuzé am Freitag.

Mitte September 2003 konferierten dort die Außenminister der USA, Chinas, Frankreichs, Großbritanniens und Russlands mit UN-Chef Kofi Annan über die Lage im Irak. Bei der Sitzung gerieten US-Außenminister Colin Powell und Frankreichs Chefdiplomat Dominique de Villepin heftig aneinander. "In dem Raum werden wichtige Konferenzen abgehalten", bestätigte ein UN-Wachmann nach der Entdeckung der Wanzen.

Drei bis vier Jahre alt

"Wir wissen nicht, wer die Apparate in dem Raum installiert hat", so Heuzé. Untersuchungen des UN-Sicherheitsdienstes hätten bisher keine Ergebnisse gebracht. Unabhängige Experten vermuten, dass die leistungsstarken, sehr kleinen Wanzen drei bis vier Jahre alt sind. Möglicherweise stammen sie aus Russland oder einem anderen Land Osteuropas. Die Geräte waren hinter Holzvertäfelungen des Art-Deco-Saals verborgen.

Vor wenigen Tagen enthüllte die Washington Post, dass der US-Geheimdienst den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohamed ElBaradei, abgehört hatte. Auch UN-Chef Annan sei Opfer von Geheimdiensten, erklärte die ehemalige britische Entwicklungshilfeministerin Clare Short. Sein Vorgänger Boutros Boutros-Ghali hatte ebenfalls über Lauschangriffe gemutmaßt. (DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.12.2004)