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Der Weg zur VA Tech-Mehrheit scheint für Siemens noch nicht geebnet zu sein.

Foto: APA/Schneider
Wien - "Wenn Siemens wirklich verantwortungsvoll handeln will, dann muss sie ihr Angebot substanziell nachbessern, damit es angenommen wird. Oder Siemens muss den Rückzug antreten - sonst entsteht Schaden für die VA-Tech." Nach dem VA-Tech-Vorstand fand am Freitag auch Anlegerschützer Wilhelm Rasinger deutliche Worte für das Siemens-Übernahmeangebot.

"Siemens darf nicht auf die Rapid-Viertelstunde warten", sagte Rasinger zum STANDARD. Klarheit brauche es im Fall des Scheiterns bei den 16,45 Prozent, die Siemens bereits an VA Tech halte. "Behält man die als Finanzinvestment?"

Lange Liste von Gegenargumenten

"Grundsätzlich positiv" beurteilt der VA-Tech-Vorstand im Prinzip nur die Auswirkungen auf die Gläubiger, also Banken und Lieferanten. Sie sollten mit der finanzstarken Siemens gut bedient sein. Auch, dass die 55 Euro je Aktie über dem Durchschnittskurs der letzten sechs Monate liegen, sei ein Argument.

Wesentlich länger ist die Liste der Gegenargumente: Aufgrund deutlicher Überlappungen und Konkurrenz in drei der vier VA-Tech-Unternehmensbereichen mit Siemens könnte ein beträchtlicher Personalabbau die Folge sein - insbesondere im Kraftwerksbau (Hydro). Siemens muss Hydro-Aktivitäten nämlich seinem Joint-Venture Voith Siemens Hydro anbieten. Auch droht ein Kartellrechtsproblem, und VA-Tech-Turbinenpartner General Electric (GE) dürfte abspringen. Alternativen für GE enthält der Siemens-Plan nicht. Ein Konflikt droht auch im Industrieanlagenbau (VAI), denn Siemens hält am VAI-Hauptkonkurrenten SMS Demag 28 Prozent. Der Ersatz diverser Hardwarehersteller durch Siemens-Komponenten könnte zum Wettbewerbsnachteil werden. ElinEBG, die in Siemens Österreich integriert werden sollte, weist deutliche Überschneidungen mit Absatzmärkten von Siemens München auf.

ÖIAG mit Angebot zufrieden

Die Staatsholding ÖIAG wäre - wie auch Finanzminister Karl-Heinz Grasser - mit den 55 Euro je Aktie für ihre 14,7 Prozent offenbar zufrieden. "Ich glaube, dass wir am Ende des Tages auch mit 55 Euro leben können", zitieren die Salzburger Nachrichten ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis.

Als aus wirtschaftlicher Sicht nicht angemessen befindet das Angebot neben JP Morgan auch VA-Tech-Wirtschaftsprüfer Ernst & Young. Eine Empfehlung von 63 Euro je Aktie gibt E&Y ebenso wenig ab wie Gutachter JP Morgan. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.12.2004)