Wien - "Wir hören jeden Tag eine neue Version." Die Geduld von Hannes Scherz, Mordreferent im Wiener Sicherheitsbüro, wird im Fall Bettina auf eine harte Probe gestellt. Seit Donnerstag beschuldigen einander Wolfgang (36) und Gabriele S. (28) gegenseitig, ihre angeblich an plötzlichem Kindstod verstorbene Tochter heimlich verscharrt zu haben. Fest steht, dass Bettina, damals vier Monate alt, seit Juli 1998 verschwunden ist. Dort, wo die Eltern behaupten, dass das Kind begraben sei, nämlich in einem Waldstück bei Bad Vöslau (NÖ), wurde nichts gefunden. Wie berichtet, hatte Wolfgang S. schon ausgesagt, er habe den Säugling damals in eine Bodenvase gesteckt und diese vergraben. Nun behauptet er, seine Gattin habe es getan. Die Suche nach dem Leichnam wurde vorerst eingestellt, die Befragung der Eltern, die anfänglich überhaupt von einer Entführung ihres Kindes gesprochen hatten, Donnerstag fortgesetzt. Angesichts der bisher gehörten Lügen hegen die Kriminalisten den Verdacht, dass Bettina keines natürlichen Todes gestorben sein könnte. Wie berichtet, stehen die Eltern auch im Verdacht, ihr jüngstes Kind misshandelt zu haben - bei dem im vergangenen November geborenen Mädchen wurden ältere Knochenbrüche festgestellt. Dazu kommt, dass bereits vor Jahren, noch vor der Ehe mit Wolfgang, ein Kind von Gabriele an plötzlichem Kindstod verstorben sein soll. Der Fall wird überprüft. Weitere Recherchen der Kriminalisten vervollständigten die tristen sozialen Hintergründe: In der Wohnung der mehrfach vorbestraften Eheleute in Wien-Simmering wurden ein gefälschter Arztstempel und gestohlene Blanko-Rezepte gefunden. Nach bisherigem Ermittlungsstand dürfte Gabriele S. sich damit das Medikament Regenon beschafft haben. Dabei handelt es sich um einen weckaminhaltigen Appetitzügler, der in der Suchtgiftszene als Aufputschmittel gehandelt wird. In einer Wiener Apotheke dürfte Gabriele im vergangenen Oktober jedoch abgeblitzt sein. Das aufmerksame Personal hatte die Rezeptfälschung bemerkt, worauf die unbekannte Kundin geflüchtet war. Die damalige Personenbeschreibung stimmt laut Polizei mit Frau S. überein. (simo)