Gemessen an den astronomischen Treibstoffpreisen war 2004 eines der katastrophalsten Jahre für die zivile Luftfahrt. "Der Preis für das Barrel Rohöl hat sich in den vergangenen zwei Jahren von 25 Dollar auf rund 40 Dollar erhöht. 18 Prozent aller Ausgaben der Fluglinien waren 2004 nur für Treibstoff", sagt Brian Pearce, Chief Economist der internationalen Airlinevereinigung IATA.

15 Mrd. Dollar (11,3 Mrd. Euro) mussten die 270 IATA-Mitglieder aufgrund der Preissteigerung 2004 zusätzlich berappen, insgesamt 63 Mrd. Dollar gaben sie für Kerosin aus.

Angespannter Ausblick

Der Ausblick für 2005 bleibt gemäß einer von Pearce erstellten Analyse weiter angespannt. Bei einem Fasspreis von 36 Dollar können die Fluglinien mit einem ausgeglichenen Ergebnis rechnen, "hält sich der Preis allerdings bei 40 Dollar, dann ergibt sich bereits jetzt für das nächste Jahr ein Verlust von 5,3 Mrd. Dollar".

Selbst wenn der Preis auf 34 Dollar fällt, bleibt der Anteil der Gesamtkosten für Treibstoff mit 17 Prozent außergewöhnlich hoch, da die Erträge der Airlines, mit ausgelöst durch die enorme Konkurrenz der Billigfluglinien, massiv gesunken sind. Bei einem Fasspreis von 30 Dollar würden die Airlines hingegen fünf Mrd. Dollar Gewinn einfliegen - doch daran glaubt in der Branche niemand.

Verspätungsmilliarde

Einsparung und Verbrauch liegen im täglichen Flugverkehr nahe aneinander. "Die Kosten für Verspätungen, ausgelöst durch nicht effiziente Routenführung oder von Flughäfen, betrugen 2003 rund eine Milliarde Dollar", erklärt der Österreicher Günther Matschnigg, als IATA-Vizepräsident für Sicherheit, Betrieb und Infrastruktur zuständig.

Das Faktum, dass jährlich weltweit rund 40 Mio. Flüge durchgeführt werden, die 70 Mrd. Dollar Treibstoff- und 400 Mrd. Dollar Betriebskosten verursachen, veranschaulicht das Potenzial an Einsparungen durch bessere Routenführung. "Ein Prozent weniger Treibstoffverbrauch würde uns 700 Mio. Dollar ersparen und die gesamten Betriebskosten um 3,6 Mrd. Dollar reduzieren", errechnet Matschnigg.

Sparmaßnahmen

Verschiedene Maßnahmen sollen diese Kosten senken. Die "Save a Minute Cam- paigne" soll durch bessere Nutzung der Flugrouten bis zu 2,7 Mrd. Dollar Einsparung pro Jahr bringt. Allein das genauere Berechnen eines Flugzeug- Abfluggewichtes bzw. einer effizienteren Flugplanung könne die operationellen Kosten um 1,1 Mrd. Dollar senken.

Wenn heute ein Flugzeug zwischen Frankfurt und Boston fünf Tonnen mehr Zuladung nimmt, sind dafür 1,6 Tonnen extra Treibstoff nötig", so Matschnigg. Sogar die Reinigung von Tragflächen zur Verbesserung des Luftwiderstandes kann den Kerosinverbrauch eines Jets jährlich um 12.000 kg senken.

Routenoptimierung

Durch Verhandlungen mit Überflugsländern versucht die IATA bessere Routen zu erreichen. Etwa über China: "Zwischen Europa und Hongkong kann eine direktere Routenführung bis zu 30 Minuten Zeitersparnis erreichen", so Matschnigg. Das bringe einer Airline die Reduzierung von 3000 Flugstunden und 28.000 Tonnen Treibstoff pro Jahr.

Verbesserte Streckenführungen wurden etwa schon über den Irak erreicht (zehn. Dollar Einsparung). In Europa konnten 400 Flugstraßen optimiert werden - Einsparungspotenzial 400 Mio. Dollar pro Jahr. Weitere Verbesserungen werden demnächst im Luftraum über Polen, Italien, Deutschland und Bulgarien angestrebt, was zusätzlich 40 Mio. Dollar erbringen soll. (DER STANDARD Printausgabe, 20.12.2004)