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Stjepan Mesic will sein Amt verteidigen

Foto: Reuters/Solic
Zagreb - Er ist der einzige Staatsmann der Welt, der Präsident von zwei Staaten war. Er war der erste Abgeordnete in einem kommunistischen Staat, der nicht Mitglied der KP war. Er ist der einzige kroatische Politiker, der in wenigen Wochen vom totalen Outsider zum Präsidenten wurde: Stjepan (Stipe) Mesic. Die Chancen auf seine Wiederwahl wurden als ausgezeichnet beurteilt - die absolute Mehrheit verfehlte er am 2. Jänner dennoch. Wenn auch nur knapp: Mit 48,92 Prozent lag er weit vor der Zweitplatzierten, Jadranka Kosor von der HDZ (20,31 Prozent). Gegen sie tritt er nun in der Stichwahl am 16. Jänner an.

Am Heiligen Abend wurde der aktuelle kroatische Präsident 70 Jahre alt. Er studierte Jus in Zagreb. Nach dem Abschluss 1961 fand er einen ersten Job bei der Staatsanwaltschaft in der slawonischen Stadt Nasice. Nach zwei Jahren wurde Mesic Richter in seinem Geburtsort Orahovica in Slawonien.

Kapitalismus restaurieren

1965 war er der erste Abgeordnete im Parlament der damaligen Sozialistischen Teilrepublik Kroatien, der nicht der Kommunistischen Partei angehörte. Zwei Jahre später wurde er Bürgermeister in seinem Geburtsort Orahovica.

Er wollte eine Textilfabrik, die einige Lokalunternehmer führen sollten, gründen. Seine Idee kritisierte der damalige Präsident Jugoslawiens Josip Broz Tito: "Ein kleiner Gemeindepräsident in Slawonien will den Kapitalismus restaurieren."

Der "Kroatische Frühling" beendete vorerst Mesics politische Karriere im Einparteiensystem. Er wurde als Bürgermeister abgesetzt, verlor sein Mandat im Parlament. Wegen "feindlicher Propaganda" wurde er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. In der Haftanstalt Stara Gradiska erbte er das Bett von jenem Ustascha, der 1945 seine Großmutter umgebracht hatte.

1972 kam Mesic wieder frei und arbeitete bis 1989 in einem Zagreber Architekturstudio. Zusammen mit seinem langjährigen Bekannten Franjo Tudjman organisierte Mesic eine neue Partei: Die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ).

"Es gibt kein Jugoslawien mehr"

Am 30. Mai 1990 war er kroatischer Ministerpräsident und Mitglied des Präsidiums des damaligen Jugoslawiens. Im Juli 1991 wurde Mesic neuer Präsident des noch existierenden Vielvölkerstaates Jugoslawien. Im Dezember - während des Kriegs - kam Mesic wieder nach Zagreb: "Es gibt kein Jugoslawien mehr".

Er wurde wieder Präsident, jetzt im kroatischen Parlament. Er stritt immer häufiger mit dem kroatischen Präsidenten Tudjman über Bosnien-Herzegowina. 1994 gründete Mesic mit anderen HDZ-Dissidenten eine neue Partei: die Unabhängigen Kroatischen Demokraten (HND). Sie scheiterten bei den Parlamentswahlen 1995 und nach einem internen Konflikt wechselte Mesic 1997 zur Volkspartei (HNS).

Im Jänner 2000 bewarb er sich um das Präsidentamt, obwohl ihm Umfragen vorerst nur ein paar Prozent der Stimmen voraussagten. Im ersten Wahlgang am 24. Jänner lag Mesic mit 41,11 Prozent klar vor Drazen Budisa (Sozialliberale/HSLS) mit 27,71 Prozent, gegen den er sich letztlich in der Stichwahl durchsetzte.

"Präsident aller Staatsbürger Kroatiens"

Im Gegensatz zu Tudjman, dem "Präsidenten aller Kroaten" sieht sich Mesic als "Präsident aller Staatsbürger Kroatiens". Somit repräsentiert er zwar demonstrativ die serbische Minderheit im Land, jedoch nicht die kroatische Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina oder die zahlenmäßig starke Gemeinde der Auslandskroaten in Kanada und den USA. (APA)