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Klaus Staeck in seinem Verkaufsladen in der Heidelberger Ingrimstrasse

Foto: APA/dpa/ Mathias Ernert

Hamburg - Rund dreißig Jahre währt Klaus Staecks Karriere nun als Gestalter politischer Plakate - Anlass für eine umfassende Rückschau. Die Sammlung Falckenberg, eine Ausstellungsintiative um den Mäzen Harald Falckenberg, zeigt in den umgestalteten historischen Phoenix-Fabrikhallen in Hamburg noch bis 30. April die Staeck-Retrospektive "Nichts ist erledigt!". Siebdrucke, Fotografien, Holzschnitte, Plakate und Collagen - über 500 Exponate geben dem Betrachter einen Eindruck von dem bisherigen Schaffen des Moralisten ohne Zeigefinger.

Diskreter Provokateur

Wie ein Störenfried sieht Klaus Staeck nicht aus. Auch nicht wie ein Missionar. Eher wie ein Geschäftsmann. Das Haar akkurat gescheitelt, sitzt der 66-Jährige aufrecht und in dunkler Garderobe auf einem Hocker in den Phoenix-Fabrikhallen. Störer und Missionar, das waren in den 70er Jahren Synonyme für Klaus Staeck, den Mann, der bereits damals mit Satire und Ironie gegen Gleichgültigkeit, Unrecht und Unterdrückung in der Gesellschaft ankämpfte.

Mit seinen provokativen Plakate und Aktionen wurde der Heidelberger Grafiker, der im Osten der Republik geboren wurde und aufgewachsen ist, bekannt. Rund 40 Mal versuchten seine Gegner vor Gericht, Plakate und Postkarten verbieten zu lassen - ohne Erfolg. Legendär die Dürer-Reprise von 1971, als Staeck das Porträt der Mutter Albrecht Dürers mit der Frage "Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?" versah und zum 500. Geburtstag Dürers in dessen Heimatstadt Nürnberg plakatierte.

"Wir wissen alles, handeln aber nicht"

"Viele Leute wollen heute nicht mehr gestört werden, sie empfinden politische Ohnmacht", sagt Staeck. Jeder sei genervt, fühle sich überflutet mit Informationen. Das Interesse, Themen aus Politik und Wirtschaft wahrzunehmen und darauf zu reagieren, werde immer geringer. Staeck: "Wir wissen alles, handeln aber nicht. Dabei sind die Probleme noch gravierender als vor dreißig Jahren."

Globalisierung, Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung sind nur ein paar Stichwörter, die Staeck nennt und die den künstlerischen Aktivisten umtreiben. Er will sich weiter einmischen, andere zum Nachdenken bewegen und weiterhin den Versuch unternehmen, mit seinen Werken politische Auseinandersetzungen anzuzetteln. "Meine Botschaft ist nach wie vor, den Menschen Mut zu machen, dass man nicht alles, was in der Welt passiert, hinnehmen muss."

Star der Siebziger Jahre

Der Name Klaus Staeck ist für viele junge Leute kaum noch ein Begriff, das weiß auch der politische Künstler. Deshalb geht er in Schulen, betreibt politische Aufklärung. Die Zeiten, als aufgebrachte Unionsabgeordnete Plakate Staecks von den Wänden rissen - so geschehen 1976 - sind vorbei. Dabei gehört der studierte Jurist nach wie vor zur unbequemen Sorte Künstler, der auch schon im Auftrag von Greenpeace bissige Plakatkampagnen für den Klimaschutz und gegen große Industrie- und Chemiekonzerne entworfen hat. "Meine Plakate werben nicht für ein Produkt, das ist aber nicht auf den ersten Blick erkennbar", sagt Staeck über seine Bilder. "Die Satire schlüpft in ein Gewand. Das Gewand ist aber nur scheinbar. Und zunächst nicht für alle Betrachter sichtbar."

Fotografie zu entdecken

Die Ausstellung zeigt auch fast unbekannte Fotografien des Künstlers. Damit wolle er den Menschen die Absurdität des Alltags demonstrieren, erklärt Staeck. Seine Fotos, weitere werden bis zum 30. Jänner im Willy-Brandt-Haus in Berlin ausgestellt, sind angenehm unaufdringlich, laden oft zum Lachen ein. So wie das Bild eines Friseurgeschäfts, an dessen Fenster ein Schild prangt: "Unsere Stärke ist der Haarschnitt." Die Welt, das weiß Klaus Staeck, lässt sich nur mühsam verändern: "Aber es nicht zu versuchen, das wäre strafbar." Deshalb macht Staeck weiter: "Nichts ist erledigt!" (APA/dpa)