Human-Computer-Interaction (HCI), also die Beziehung zwischen Mensch und System, ist in den letzten Jahren ein zentrales Forschungsthema geworden. Dabei geht es schon lange nicht mehr allein um PC oder Mobiltelefon. Intelligente Systeme finden sich immer häufiger auch versteckt in Alltagsgegenständen (ambient intelligence), sagt Manfred Tscheligi, Universitätsprofessor für Human-Computer-Interaction und Usability an der Universität Salzburg.

Interaktion

Beispiel Büro. Was, wenn Alltagsgegenstände wie der Schreibtisch oder die magnetische Pinnwand mit Senso- ren ausgestattet sind und man so mit ihnen "interagieren" kann? Wollen das die Benutzer überhaupt? Wie können sie damit umgehen? Und wie viel Intelligenz verträgt der Mensch in seiner Umgebung, da er ja gewöhnt ist, in einer passiven Umwelt zu leben. Am Center for Advanced Studies and Research in In- formation and Communication Technologies & Society (ICT&S), wo Tscheligi forscht, wird ein Experimentierlabor eingerichtet, um in Versuchsszenarien Antworten auf derlei Fragen zu bekommen. Der Begriff User-Experience, die gesamtheitliche Benutzererfahrung, steht hier im Zentrum. Schon seit einiger Zeit beschäftigt sich Tscheligi mit dieser fundamentalen Weiterentwicklung der Usability-Forschung.

Interface

Mit der stärkeren Vernetzung des Alltags rückt auch die soziale Bedeutung des Systems, mit dem der Benutzer interagiert, in den Mittelpunkt des Forscherinteresses. Der Begriff Social Interfaces wurde geprägt. Man spricht nicht mehr von Vereinsamung vor dem PC, sondern von einer Vernetzung durch die Vermittlung sozialer und kultureller Werte. Das kann durchaus spielerisch passieren, was vom ICT&S bereits getestet wird. "Es geht um ein gemeinsames Spielen, Erfahren und Lernen. Dabei lernt man Menschen auf breitbandigere Weise als mittels Datingdienst kennen. Da geht es um Verhaltensweisen, um kulturelle Hintergründe der Menschen, nicht um ein schlichtes: Treffen wir uns."

Eine Frage des Kontexts

Untersucht man den Einfluss von Systemen auf Mensch und Gesellschaft, dann muss es natürlich auch um die Frage gehen: In welchem Kontext benutze ich zum Beispiel mein Handy? Welche Form von Interaktion verlangt der Ort, entweder ein offener Platz oder vielleicht die U-Bahn, an dem ich mich gerade befinde? Fragen, die im September 2005 in Salzburg bei der von ICT&S veranstalteten, internationalen Mobile HCI -Conference besprochen werden sollen. Damit kommt nach der Computer-Human-Interaction-Konferenz (dieses Jahr in Wien) auch eine zweite große Tagung zum Thema Mensch-Computer-Beziehung nach Österreich. (DER STANDARD Printausgabe, 27.12.2004)