Wien - Das Internet beweist sich in vieler Hinsicht als Seismograf (siehe auch oben). Es zeigt etwa auch, ob das Christkind den Wunschvorstellungen entsprochen hat.

Die Packerl sind kaum ausgepackt, den Schenkenden ein lauer Dank ausgesprochen und schon geht's ans Werk: Die Digitalkamera entsprach nicht ganz so den Vorstellungen und die Heizdecke von Tante Lisi ist bei den gegebenen Temperaturen auch nicht der wahre Hit. Handlungsbedarf ist angesagt.

Wurden in früheren Jahren die nicht ganz so beliebten Weihnachtsgeschenke entweder weit hinten im Kasten verstaut oder andersweitig entsorgt, entdecken immer mehr Österreicher und Österreicherinnen eine neue "Verwertungsmöglichkeit": Onlineauktionshäuser.

"Am 25. und 26. Dezember wurde auf unserer Plattform besonders viel Neuware von Privaten eingestellt. Das ist sonst nicht der Fall, da von Privatpersonen normalerweise eher Gebrauchtes für den Onlinehandel angeboten wird", bestätigt Franz Karner, Geschäftsführer des österreichischen Onlineauktionshauses OneTwoSold.

12.500 Geschenke

Während die Onlineaktivitäten in der Woche vor dem Fest der Feste eher rückläufig waren, ging es laut Karner an den beiden Weihnachtstagen auf der Plattform wieder rund. Die aktuellen Zahlen liegen zwar noch nicht vor, doch im Vorjahr wurden auf OneTwoSold allein zwischen Christtag und Silvester 12.500 Weihnachtsgeschenke um insgesamt 500.000 Euro verkauft.

"Doch sind es weniger die kolportierten hässlichen Krawatten, die nach Weihnachten verscherbelt werden, als vielmehr elektronische Kleingeräte wie Digitalkameras, Handys etc.", weiß Karner aus Erfahrung.

Diese wurden heuer nach Beobachtungen von Vera Pesata, Marketingleiterin der Preisvergleichsplattform geizhals.at, mehr denn je online geordert. "Bereits im November erreichten wir eine neue Zugriffsspitze von 1,49 Mio. Unique Clients, eine halbe Million mehr als im Vorjahr."

"Unser Kunde Amazon hat dieses Jahr zu Weihnachten mehr elektronische Geräte als Bücher abgesetzt", sieht auch sie den klaren Trend in Richtung elektronische Weihnachtsgeschenke. "Bei der Zahl an Espressomaschinen, die verkauft wurden, müsste unter jedem dritten Baum eine gelegen haben", fügt sie scherzend hinzu.

Ob diese auch wirklich dem Geschmack der Beschenkten entsprachen, lässt sich mit einem Blick auf die österreichischen Tauschbörsen leicht nachprüfen. (kat, Der Standard, Printausgabe, 28.12.2004)