Die Österreichische Volksbanken AG hat sich Investkredit-Anteile von BAWAG/PSK, Erste Bank und Wiener Städtische gesichert

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Wien – Die Gespräche begannen sehr knapp vor Weihnachten, wurden ruck, zuck in aller Stille geführt und sorgten am Dienstag für einen Knalleffekt. Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) stoppt das Verkaufskarussell rund um die – zu 83 Prozent im Eigentum der Großbanken stehende – Investkredit AG. Sie hat sich ein Aktienpaket von 41,5 Prozent gesichert und will die Mehrheit des Spezialinstituts übernehmen, enthüllte ÖVAG-Chef Franz Pinkl gestern Früh.

Der ÖVAG gehören derzeit 3,5 Prozent der Investkredit. Nun will sie jene Pakete kaufen, die die Bawag-PSK-Gruppe, Erste Bank und Wiener Städtische Versicherung um 123 Euro je Aktie ihren Syndikatspartnern angeboten hatten. Doch der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA; sie hat die Mehrheit an der Investkredit angestrebt) und der Raiffeisen Zentralbank (RZB; sie wollte auf die Sperrminorität aufstocken) war der Preis zu hoch. ÖVAG-Generaldirektor Franz Pinkl: "Daher haben wir uns sehr entschlossen um die Anteile bemüht."

Vorausgesetzt, der ÖVAG- Aufsichtsrat stimmt in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag zu, wäre das Spitzeninstitut des Volksbankensektors größter Investkredit-Aktionär. Pinkl hat damit aber nicht genug, er will die Mehrheit: "Im ersten Schritt wollen wir unbedingt auf 50 Prozent plus eine Aktie kommen. Wir sind so aufgestellt, dass wir alles übernehmen können. Das hängt davon ab, wer jetzt verkaufen will." Geplant sei ein öffentliches Übernahmeangebot um 123 Euro je Aktie; die Übernahmekommission ist am Wort.

Eine volle Kasse

Die rund 344 Mio. Euro, die die Übernahme kostet, könne sich die ÖVAG leisten, so ihr Chef: "Wir haben eine volle Kriegskasse, unsere Eigenkapitalausstattung ist sehr gut." Zudem hat die ÖVAG erst vor zehn Tagen 49 Prozent ihrer 4. Spalte Ostholding an die deutsche DZ-Bank und die französische Volksbankengruppe verkauft. Kolportierter Erlös: 400 bis 500 Mio. Euro. Geld, mit dem sich's trefflich einkaufen lässt.

Ihren Appetit auf eine satte Mehrheit oder die gänzliche Übernahme der Investkredit muss die ÖVAG aber zügeln. Die ausgebremsten, kaufwilligen Mitaktionäre BA-CA (28 Prozent) und RZB (16,4 Prozent) reagierten auf Pinkls Überraschungscoup verstimmt, fassen den Paukenschlag von Operettenfan Pinkl offenbar als Untermalung einer Kampfansage auf. Ein BA- CA-Sprecher: "Wir werden unsere Anteile nicht verkaufen." Sein RZB-Kollege: "Wir streben weiterhin die Sperrminorität an. Wir wollen ein Mitspracherecht bei der Investkredit, die wir als gutes Anlageobjekt für uns empfinden." Freilich soll es noch einen anderen Hintergrund da 5. Spalte für geben: Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad soll erbost darüber sein, dass sich die RZB unter Walter Rothensteiner von der ÖVAG hat "überholen" lassen.

In den Augen des ÖVAG- Chefs wäre die kleine, aber feine Investkredit ein idealer Partner, "die komplementäre Schiene zu unserem Geschäft und unserer Kundenstruktur". Mit ihr wüchsen "uns die Großkunden zu, die uns fehlen" (Pinkl); die auf die Finanzierung der öffentlichen Hand spezialisierte Kommunalkredit wäre "essenziell für uns". Im Gegenzug bringe die ÖVAG ein gutes Netzwerk in Mittel- und Osteuropa ein.

Auch die umworbene Braut könnte sich ein Leben mit der ÖVAG offenbar vorstellen. Wie aus der Investkredit zu hören ist, machte eine Partnerschaft mit der ÖVAG "durchaus Sinn". (Renate Graber. Der Standard, Printausgabe, 29.12.2004)