Rom - Papst Pius XII. wollte Presseberichten zufolge nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich die Rückgabe jüdischer Kinder an ihre Eltern oder an jüdische Institutionen verhindern wollen. Es habe sich um Kinder gehandelt, die die katholische Kirche in Frankreich vor den Nazis versteckt hatte, berichtete die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" unter Berufung auf Forschungen des französischen Historikers Etienne Fouilloux.

Pius habe im Jahr 1946 eine entsprechende Anweisung an den damaligen Nuntius in Frankreich, den späteren Papst Johannes XXIII., schicken lassen. Dieser habe sich der Aufforderung des Vatikans allerdings widersetzt. Die Zeitung sprach von einer "schmerzhaften Angelegenheit". Den Angaben zufolge wollte Pius erreichen, dass die jüdischen Kinder auch weiterhin christlich erzogen werden. Es sei ihm dabei besonders um diejenigen Kinder gegangen, die während der deutschen Besatzung in Frankreich von der katholischen Kirche getauft worden waren.

In dem Vatikan-Dokument vom 20. Oktober 1946, das in Archiven der französischen Kirche entdeckt worden sei, heißt es nach Angaben der Zeitung: "Getaufte Kinder dürfen nicht Institutionen übergeben werden, die keine christliche Erziehung gewährleisten können." Jüdischen Eltern, die die Verfolgungen überlebt haben, dürften ihre Kinder nur dann übergeben werden, "wenn diese keine Taufe erhalten haben". Papst Pius XII. steht bereits seit Jahrzehnten wegen seines "Schweigens" zur Judenverfolgung Hitlers in der Kritik von Historikern. Er habe sich öffentlich nicht oder nicht genügend gegen die Verbrechen gestellt. Dagegen vertritt die katholische Kirche die Haltung, offener Widerstand des Vatikans hätte die Nazis lediglich zu noch grausameren Verbrechen provoziert. Die Kirche habe vielen Juden im Stillen geholfen. (APA)