Die Welt besteht für sie aus 18 Monitoren und hat eine Fläche von 72 Quadratmetern. Sie, das sind die rund 300 Mitarbeiter im Frankfurter International Net Management Center (INMC) der T-Systems , die hier rund um die Uhr das globale Netz des IT-Servicedienstleisters betreuen, steuern und überwachen.

konzentration

Die Sensibilität dieser Aufgabe lässt sich nicht nur an der Konzentration der Netzmanager ablesen, sondern auch am Gebäude selbst, das erdbebensicher gebaut ist. Der Kontrollraum verfügt über durchschusshemmende Scheiben, für den potenziellen Katastrophen- oder Notfall ist die Betriebsküche mit Bundeswehrnahrung ausgerüstet.

Hier und dort blinkt es hektisch auf den Bildschirmen, schlagen Kurven nach oben und unten aus. Doch die Besucher werden enttäuscht: Betriebsfremde erhalten keinen Einblick in die echten "Trouble Cases". Bei Führungen ist die Bildschirmwand auf "Mayday-Modus" geschaltet.

T-Systems betreut weltweit mehr als 2000 Kundennetze. Die Kunden erwarten vor allem eines: ungestörten Betrieb ihrer Leitungen. Ein hoch komplexes Transportnetz bündelt den internationalen Sprach-, Internet- und Datenverkehr. Mehr als 400 Telekommunikations-Dienstleister in 222 Länder sind darüber verbunden.

In 16 europäischen Ländern docken die global agierenden Unternehmen und international tätigen Netzbetreiber von Moskau bis Lissabon an das globale Hochleistungsnetz an. Auch die USA, Asien und Australien sind über das Telekom Global Network für jedes Datenpaket in Sekundenschnelle erreichbar.

Nicht die Suche

"Unsere vordringliche Aufgabe hier ist nicht die Suche nach Fehlern bei Netzunterbrechungen, sondern das Schalten von Ersatzleitungen", erklärt Helmut Kahl, technischer Betriebsleiter des INMC. Bei Störungen wird der Telefon- oder Datenverkehr per Fernsteuerung sofort über andere Stecken und Netzknoten zum Ziel geleitet. 25 Prozent aller vorhandenen Leitungswege (insgesamt mehr als 177.000 Kilometer Land/ See-Kabel) dienen dabei, um möglichst schnell reagieren zu können, als Reserve.

Die meisten Leitungsunterbrechungen werden übrigens durch Schleppnetze in den Ozeanen und Baggerfahrer zu Land verursacht. Oder, falls die Kabelbetreiber den Forderungen nicht schnell genug nachkommen, durch in die Realität umgesetzte Drohungen von Meerespiraten im asiatisch-pazifischen Raum, die Kabel zu kappen. Im Steigen begriffen ist auch die "Selbstbedienung aus Notgründen in Drittländern", so Kahl, wo die Netzwerk-Kupferkabel zur Stromversorgung vor Ort verwendet werden. (Karin Tzschentke aus Frankfurt, DER STANDARD Printausgabe, 29.12.2004)