2004 wurden "im kinsky" 870.000 Euro für Ferdinand Georg Waldmüllers "Das Ende der Schulstunde" (1834, Ausschnitt) bezahlt.

Foto: im kinsky

Die 2004er-Charts des "Art Sales Index"

Grafik: STANDARD
... und einem starken Lebenszeichen bei angewandter Kunst.


Wien - Sofern Rekorde der Schlüssel zur Bewertung eines Geschäftsjahres sind, dann ist es um den Kunstmarkt gut bestellt. Die Auktionsgiganten verbuchten derer einige, etwa im November, als man in den USA innerhalb einer Woche in diversen Sparten 16 neue aufstellte. Die wichtigen Herbstmessen in Europa (Frieze, Fiac, Art Cologne) waren gerade erst vorbei, Art Basel Miami Beach stand noch bevor: dennoch, das New Yorker Publikum verfiel in einen Kaufrausch, bot 55-mal jenseits der Millionengrenze und Christie's, Phillips wie Sotheby's scheffelten mehr als 223 Millionen Euro.

Welche Rolle Europa dabei spielte? Nun, von den genannten 16 Rekorden entfielen zehn auf europäische Künstler. Gemessen am weltweiten Kaufvolumen und den daraus resultierenden Umsätzen führen die USA mit mehr als 40 Prozent die Nationenstatistik laut "Artprice" an. 2004 wuchs die Preisentwicklung auf diesem Markt um knapp 22 Prozent, in Großbritannien (Platz 2) immerhin noch um 14 Prozent, in Italien um ein Prozent (Platz 4), in Frankreich (Platz 3, siehe auch Marktplatz) fiel sie um geschätzte 1,5 und in Deutschland um 2,6 Prozent (Platz 5).

Österreich kommt erst bei Betrachtung der höchsten Ergebnisse ins Spiel. Neben Italien ist es die einzige Nation, in der die zehn Topzuschläge von heimischen Künstler dominiert werden. Das waren 2004 etwa 870.000 Euro für Ferdinand Georg Waldmüllers Das Ende der Schulstunde (1834) in Wien ("im kinsky") und eine Million Euro für ein Capriccio von Francesco Guardi in Mailand (Porro).

Die zehn teuersten Auktionslots summieren sich in Italien auf 6,85, in Österreich auf 4,13 und in Deutschland auf 3,80 Millionen Euro. Im Vergleich zu 2003 musste vor allem Deutschland massive Einbußen hinnehmen: Bis inklusive November schaffte man nur bei 36 Objekten einen Zuschlag jenseits der 100.000 Euro-Grenze, 2003 waren es im selben Zeitraum noch 50.

Ein Grund für das schlechte Abschneiden im Weltvergleich sieht "Artprice" im Überangebot an multipler Kunst: In Deutschland entfällt ein Drittel der Umsätze auf Grafik, während sie in anderen Ländern nur 15 Prozent ausmacht. Im Gegensatz dazu steht die wachsende Nachfrage bei angewandter Kunst. Am Beispiel des Kölner Auktionshauses Lempertz - hier darf man sich über Zugewinne im Nischenbereich Asiatischer Kunst freuen.

Der interessante Aspekt: 80 Prozent der in dieser Sparte in zwei Auktionen verteilten Ware wechselten ins Ausland. Auch in Österreich steigen die Exportquoten im oberen Preissegment: Vier der fünf Topergebnisse (siehe Tabelle) wurden von ausländischen Bietern deponiert; einzig der Waldmüller verblieb in Österreich. Joudreville wechselte nach Großbritannien, die beiden Schiele in die USA und der Hals in die Schweiz.

Teure Madonna

Ähnlich die Situation in den Sparten angewandter Kunst: Im kinsky wechselte ein Porzellan-Elefant (Du Paquier) für 100.000 Euro in die USA und eine Barockkommode für 95.000 Euro nach Italien. Im Dorotheum reichte man die eine Lindenholz-Madonna (15. Jh.) bei 110.000 nach Belgien weiter, die Marmorbüste eines jungen Mannes für 110.000 nach Italien und 90.000 Euro deponierte ein Schweizer Bieter für den Rokoko-Vogelautomaten.

Obwohl die nationale Nachfrage also zu Wünschen übrig lässt, können sich die heimischen Häuser über Rekordergebnisse freuen. Das Dorotheum über einen Umsatz von rund 77 Millionen Euro (um zehnt Prozent mehr als 2003). Im kinsky steigerte man sich um 15 Prozent (nach 28 Prozent 2003) auf 12,8 Millionen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.12.2004)