Nach einem äußerst robusten Jahresbeginn schwächelte der schweizerische Banksektor während der Sommermonate ein wenig, bevor er in der zweiten Jahreshälfte wieder anzog. Für die ausgezeichneten Quartalsresultate, die teilweise an die Rekorde des Spitzenjahres 2000 heranreichten, gibt es zwei Hauptgründe.

Einerseits das stärkere Geschäftsvolumen bei Fusionen und Übernahmen im Investmentbanking, andererseits das starke Wachstum in der Vermögensverwaltung in Asien, sagt Michel Wiederkehr, Analyst der Privatbank Bordier & Cie.

Außerdem haben die Banken in den letzten zwei Jahren in ihren Häusern aufgeräumt, Personalbestände zusammengestrichen und Aktivitäten auf ihre Kernkompetenzen fokussiert.

Die CSG etwa hatte die Zahl ihrer Angestellten per Ende 2003 auf 60.800 reduziert, gegenüber 78.500 ein Jahr zuvor. Die UBS hatte im gleichen Zeitraum 3200 Stellen gestrichen und zählte Ende 2003 noch 65.900 Mitarbeitende.

Ende des Aderlasses

Das Geschäftsjahr 2004 markiert somit das Ende des Aderlasses. Nach neun Monaten lagen die weltweiten Bestände nämlich bei beiden Großbanken über den Zahlen zum Jahresbeginn. Die CSG hat dabei sogar die Zahl der Angestellten in der Schweiz wieder erhöht. "Die Banken können die Kosten nicht weiter senken.

Nun müssen sie wieder neue Erträge erwirtschaften", analysiert Wiederkehr. Trieben die Banken ihre Abmagerungskuren weiter, würden sie Marktanteile verlieren. Dies scheint bei Credit Suisse First Boston geschehen zu sein.

Reorganisierte Versicherungen

Auch die Versicherungen haben sich reorganisiert und verfügen wieder über die finanzielle Gesundheit früherer Zeiten. "Die Prämien befinden sich auf einem Höhepunkt und abgesehen von den Wirbelstürmen war die Schadenrate sehr tief", erklärt Marc Effgen von Ferrier Lullin & Cie.

Positiv ist vor allem, dass die Branche auch operativ wieder rentabel arbeitet, was während der 90er-Jahre nicht der Fall war, als sie sich bei den Prämien unterboten, um sich die Kunden gegenseitig abzujagen. Dank der boomenden Börsenmärkte konnten die Verluste damals locker ausgeglichen werden.

Drei Jahre schwacher Börsenverlauf haben die Versicherungen zur Vernunft gebracht; die Regeln der Versicherungsmathematiker gelten wieder, die Geschäftsmethoden sind weniger abenteuerlich.

Durchwegs kräftige Zuwächse

Nach neun Monaten wies die Zurich Financial Services (ZFS) einen um 35 Prozent höheren Gewinn aus. Zum Halbjahr hatte sich der Gewinn von Swiss Life versechsfacht, die Baloise fand in die schwarzen Zahlen zurück und der Rückversicherer Swiss Re verdoppelte den Reingewinn. Einzig Converium musste hohe Verluste ausweisen. Die Gründe dafür liegen aber mehrere Jahre zurück.

Die Aussichten für das neue Jahr bleiben positiv - vor allem für die Versicherungen, weniger für die Banken, sagt Jérôme Schupp von Syz & Co. Wie andere Experten auch, geht Schupp bei den Banken von zwei guten ersten Quartalen aus, danach seien die Perspektiven unklar. (DER STANDARD Printausgabe, 30.12.2004)