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Mit einem Jahresplus von fast 900 Punkten zählte die Wiener Börse zu den besten Börsen der Welt.

Foto: AP/MICHAEL PROBST
Wien - Börsianer in Wien haben allen Grund, einen Tag vor dem Jahreswechsel schon jetzt die Sektkorken knallen zu lassen: Das vierte Jahr in Folge beendete der ATX mit Kursgewinnen, noch dazu gekrönt mit neuen Rekorden.

Hatte der Leitindex bereits im Vorjahr gut 34 Prozent zugelegt, bescherte 2004 abermals ein kräftiges Kursplus - und zwar um 57,4 Prozent auf 2.431,38 Punkte. Noch heute, Donnerstag, hatte der ATX kurz vor Handelsschluss mit 2.436,34 Zählern ein Allzeithoch markiert.

Fast 900 Punkte im Plus

Fast 900 Punkte ist der ATX heuer nach oben geklettert. Wien erwies sich damit erneut als eine der besten Börsen der Welt. Auch in diesem Jahr konnten die großen Finanzplätze wie New York, Tokio, London und Frankfurt in den Schatten gestellt werden.

Der jahrzehntelange Dornröschenschlaf der Wiener Börse (bis zur Jahrtausendwende) dürfte somit endgültig Vergangenheit sein - nicht zuletzt wegen der Osteuropa-Fantasie, die ausländische Investoren weiter in Scharen anlockt, und der international überdurchschnittlichen Gewinnentwicklung der gelisteten Konzerne.

Alle ATX-Werte in der Gewinnzone

Von den 20 ATX-Werten beendeten das abgelaufene Börsenjahr alle in der Gewinnzone. Am stärksten zulegen konnte die VA Tech-Aktie mit plus 128,4 Prozent, gefolgt von BWT (+88,2 Prozent), OMV (+87,8 Prozent), Palfinger (+85,2 Prozent) und betandwin.com (+82,3 Prozent).

Die schwer gewichteten Finanzwerte Erste Bank (+60,5 Prozent) und Bank Austria Creditanstalt (+64,2 Prozent) waren auch dieses Jahr die gefragtesten Bankaktien Europas.

Übernahmen als Salz in der Suppe

Wie im Vorjahr mit BBAG/Brau Union gab es auch heuer Übernahme-Stories, die das Salz in der Börsensuppe waren. Bei der VA Tech hielten sich hartnäckig Übernahmegerüchte, die sich im September mit dem von Siemens bekundeten Einstiegsinteresse auch bestätigten.

Im November sicherte sich der deutsche Elektromulti überraschend den 16,5 Prozent-Anteil des größten VA Tech-Aktionärs Mirko Kovats. Gleichzeitig wurde ein Übernahmeangebot von 55 Euro je Aktie angekündigt, das im Dezember offiziell gelegt wurde und bis 9. Februar läuft. Ob Siemens damit erfolgreich sein wird, ist offen: Der Markt spekuliert auf eine Nachbesserung, der VA Tech-Börsenkurs lag zuletzt bei knapp 59 Euro.

TA auf Berg- und Talfahrt

Im Sommer stand die Telekom Austria (TA) unmittelbar vor dem Verkauf an die Schweizer Swisscom, ehe der von der ÖIAG befürwortete Deal an politischen Widerständen scheiterte. Das ließ den zuvor hochgetriebenen Aktienkurs an einem Tag rund 20 Prozent spektakulär abstürzen.

Ein weiteres Börsen-Highlight war im Dezember die Kapitalerhöhung der OMV, über die sich der heimische Öl- und Gasriese zusammen mit einer Wandelanleihe nach dem milliardenschweren Petrom-Deal 1,2 Mrd. Euro an frischem Geld holte.

Für Aufsehen sorgte Anfang Dezember auch der Blitzverkauf eines 17-prozentigen Telekom-Anteils der ÖIAG an Finanzinvestoren, mit 1,1 Mrd. Euro die bisher größte Transaktion am österreichischen Kapitalmarkt.

Industriewerte gefragt

Hoch in der Gunst der Anleger standen heuer vor dem Hintergrund der Konjunkturerholung auch die Industrie-Werte: Voestalpine (+76,9 Prozent), Böhler-Uddeholm (+73,7 Prozent), Semperit (+72,0 Prozent), Wienerberger (+66,0 Prozent), RHI (+47,7 Prozent), Andritz (+47,8 Prozent) und Mayr-Melnhof (+31,5 Prozent).

Mit Ausnahme der Generali-Aktie, deren Zuwachs sich mit plus 6 Prozent "nur" im einstelligen Prozent-Bereich bewegte, legten die übrigen Werte - EVN, Telekom, AUA, Flughafen und Verbund - deutlich mehr als 10 Prozent zu.

Zuversicht für 2005

Mit Zuversicht blicken die heimischen Analysten auch ins kommende Jahr. "Der Markt ist noch günstig bewertet", heißt es. Angesichts der für 2005 erwarteten Gewinnsteigerungen der Unternehmen seien die Bewertungen im ATX trotz der starken Kursgewinne von heuer nicht überzogen.

Daher rechnen die Börsenexperten mit weiteren Kursgewinnen, wenngleich das Potenzial moderat sein dürfte: So sieht etwa die Erste Bank den ATX zum Jahresende 2005 bei 2.500 Punkten, die Raiffeisen Centrobank (RCB) bei 2.600 Punkten.

Gemessen am aktuellen Niveau würde das einem ATX-Anstieg von 3 bis 7 Prozent entsprechen. Mit dem erwarteten Nachlassen der Kursdynamik gewinnt jetzt nach der Einschätzung von Analysten zunehmend die richtige Auswahl der Einzeltitel an Bedeutung. Zum Kauf empfohlen werden Telekom, Andritz, Mayr-Melnhof, Palfinger und Voestalpine. (APA)