"Das Problem beim Wiederverwerten von Kunststoffen aus alten E-Geräten sind weniger die Technologien als deren Wirtschaftlichkeit", erklärt Franz Prior vom Umweltdienst Burgenland. Wie weit diese Bedenken begründet sind, wird zurzeit am KERP - Kompetenzzentrum Elektro(nik)altgeräte-Recycling & nachhaltige Produktentwicklung - überprüft.

Im Zentrum der Untersuchungen stehen zwei Methoden zur Gewinnung sortenreiner und störstofffreier Kunststoffe aus Elektromüll mittels selektiver Extraktion (also der gezielten Herauslösung einzelner Kunststoffsorten durch chemische Reaktionen) bzw. durch die automatische Erkennung und Sortierung von Kunststoffgemischen mithilfe von Infrarotlicht. "Mit diesen Selektionsverfahren", so Walter Spruzina von KERP, "erhält man Kunststoffe, die qualitativ einer Neuware entsprechen und die sich problemlos verkaufen lassen". Die Verfahren existieren bislang allerdings nur im Labormaßstab. Ob sie auch auf industriellem Niveau wirtschaftlich einsetzbar sind, soll in den nächsten Monaten geklärt werden. "Bis dato bekommt man praktisch nur Mischkunststoff-Fraktionen, die großteils verbrannt oder deponiert werden", erklärt Walter Spruzina. "Eine werkstoffliche Verwertung gibt es erst in geringem Maß." Beispielsweise durch klassisches Downcycling, indem man aus den vermischten Kunststoffabfällen dickwandige Recyclingprodukte für einfache Anwendungen im Tiefbau oder der Landwirtschaft - etwa Pfosten, Bretter oder Pflanzentröge - herstellt.

Auch für die Produktion von Dacheindeckungen können Altkunststoffe schon eingesetzt werden. Das Ausgangsmaterial dafür stammt aus der "gelben Tonne" bzw. dem "gelben Sack". "Diese Dächer sind um bis zu 50 Prozent leichter als mineralische Dachdeckungen", so Spruzina, "extrem widerstandsfähig, leicht zu bearbeiten und bieten eine gute Schall- und Wärmedämmung". Am KERP wird bereits länger daran gearbeitet, auch Kunststoffe aus Elektromüll für diesen Zweck zu nutzen. Problem dabei: Die gezielte Wiederverwendung von Kunststoffen mit Zusätzen, die auch bei Dacheindeckungen genutzt werden können. Womit man wieder bei den Untersuchungen der Selektionsverfahren wäre. Durch die EU-Verordnung WEEE sind Hersteller auch verpflichtet, die Wiederverwertung nicht durch Konstruktionsmerkmale oder Herstellungsprozesse zu be- oder verhindern. Daher setzen sich die KERP-Experten auch mit umweltgerechten Produktgestaltungsmöglichkeiten auseinander. Um praxisnahe Lösungen anbieten zu können, wurde ein Kooperationsnetz mit Partnern aus Industrie, Wissenschaft und angewandter Forschung aufgebaut. (grido/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. 1. 2005)