Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) will nach dem außergewöhnlichen Erfolg ihres Spendenaufrufs keine Gelder mehr für Opfer des Erdbebens in Asien. Derzeit belaufe sich die finanzielle Unterstützung, die Ärzte ohne Grenzen seit Beginn der Katastrophe erhalten hat, auf etwa 38 Millionen Euro. Allein in Österreich wurden etwa eine Million Euro gespendet, heißt es in einer Aussendung.

"Damit konnten wir sehr wichtige Hilfsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten beginnen. Wir brauchen aber auch Spenden für andere, vergessene Krisen wie im Sudan und im Kongo", sagte MSF-Generaldirektor Pierre Salignon am Dienstag in Paris. "Es ist das erste Mal, dass wir so entscheiden, wir wollen aber nicht weiter Gelder sammeln für eine bereits finanzierte Hilfe."

Spendenrichtlinien

In einer Aussendung dankt Ärzte ohne Grenzen allen privaten Spendern, die die Nothilfe von Ärzte ohne Grenzen nach dem asiatischen Tsunami unterstützt haben.

Gemäß seinen Spendenrichtlinien sieht sich Ärzte ohne Grenzen verpflichtet, die "Spenden für genau jene Hilfsaktionen einsetzen, für die sie bestimmt sind". Ärzte ohne Grenzen geht davon aus, dass momentan genügend Gelder für die derzeit geplanten und durchgeführten Nothilfeaktionen vorhanden sind. Daher fühle sich die Organisation verpflichtet, darüber zu informieren, dass Ärzte ohne Grenzen nicht mehr garantieren kann, dass weitere Spenden für die Nothilfe in der Tsunami-Krisenregion eingesetzt werden.

Ärzte ohne Grenzen wird aber den finanziellen Bedarf weiter abschätzen, sobald sich die Bandbreite der Hilfsaktionen in den betroffenen Gebieten klarer abzeichnet, so die Organisation weiter.

Notfallfonds

Ärzte ohne Grenzen bittet daher, die Organisation weiterhin mit Spenden an den Notfallfonds zu unterstützen. Dieser Fonds befähigt Ärzte ohne Grenzen, den Opfern der aktuellen Katastrophe in Südasien weiter zu helfen, sofern sich ein längerfristiger Bedarf abzeichnet. Er ermöglicht es aber auch, in anderen weltweiten Krisengebieten Hilfe zu leisten, wie in der kriegsgebeutelten Region Darfur im Sudan z.B. und anderswo in den über 70 Ländern, in denen Ärzte ohne Grenzen tätig ist.

Viele dieser Länder "brauchen ebenfalls dringend Nothilfe, umso mehr, da nun einige (institutionalisierte) Gelder, die ursprünglich für diese vergessenen Krisen bestimmt waren, nun zur Finanzierung der Tsunami-Hilfe umgeleitet werden", so Ärzte ohne Grenzen in einer Aussendung. Es sei zu befürchtet, dass diese bereits notleidenden Völker dadurch noch stärker in Gefahr sind. (APA/red)