Jerusalem - Die ultra-orthodoxe Kleinpartei "Vereinigtes Tora-Judentum" hat am Mittwoch einem vorläufigen Beitritt zur neuen israelischen Regierungskoalition von Ministerpräsident Ariel Sharon zugestimmt. Der Knesset-Abgeordnete Avraham Ravitz bestätigte dies dem israelischen Rundfunk. Nach einer Entscheidung des geistlichen Führers der Partei, Rabbiner Yosef Elyashiv, solle die Fraktion zunächst für eine "Probezeit" von drei Monaten in die Regierung eintreten.

Rechte Likud-Parteimitglieder hatten Aufnahme zur Bedingung gemacht

Rechte Mitglieder der konservativen Likud-Partei Sharons hatten die Aufnahme der strengreligiösen Fraktion, die über fünf der insgesamt 120 Mandate im Parlament verfügt, als Bedingung für die Bildung einer Koalition mit der Arbeiterpartei von Shimon Peres genannt. Sie wollen damit eine Ausgewogenheit in der Regierung gewährleisten. Der israelische Rundfunk meldete, die neue Regierung solle nun voraussichtlich am kommenden Montag vorgestellt werden. Der bisherige Oppositionsführer Peres wird zweiter Vizepremier, jedoch nicht offiziell Stellvertreter Sharons. Diesen Posten soll Handels- und Industrieminister Ehud Olmert (Likud) behalten, der ihn nicht an Peres abtreten wollte.

Sharon hatte zuletzt mit vorgezogenen Neuwahlen gedroht, sollte es keine Parlamentsmehrheit für seinen Gaza-Abzugsplan geben. Eigentlich sind Knesset-Wahlen erst 2006 fällig. Um eine Parlamentsmehrheit für seinen Abzugsplan zu sichern, ist Sharon auf die Zustimmung aller Abgeordneten seiner eigenen Partei sowie der Arbeiterpartei angewiesen. Bis zu 13 Likud-Abgeordnete könnten jedoch gegen den Plan votieren. (APA/dpa)