Wien - 4 Ks 2/63 - die Aktenzahl ist nichts sagend, die Dimension dahinter gewaltig: 17 Schuldsprüche des 15.209fachen Mordes im nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz. So lautete das Urteil im Frankfurter Auschwitz-Verfahren, das von 1963 bis 1965 dauerte und, wie es der Wiener Historiker Winfried Garscha formuliert, damals "den polnischen Ort Auschwitz in die deutschen Wohnzimmer gebracht hat".

40 Jahre danach beschäftigt sich die Wanderausstellung "Auschwitz-Prozess 4 Ks 2/63 Frankfurt am Main" des Frankfurter Fritz-Bauer-Instituts mit diesem bis dahin größten Schwurgerichtsprozess der deutschen Justizgeschichte. Im ersten Halbjahr 2007 soll das Projekt in Wien zu sehen sein. Garscha und sein Team von der "Forschungsstelle Nachkriegsjustiz" bemühen sich darum. Die Zusage der Organisatoren hat man, was fehlt, sind ein Veranstaltungsort und - natürlich - Geld. Garscha hofft auf die Gemeinde. 450.000 Euro wurden veranschlagt. Zum Vergleich: Die Staatsvertragsausstellung 2005 im Belvedere wird mit 700.000 € gefördert.

Die Ausstellung versucht auf 1300 Quadratmetern, teils mithilfe künstlerischer Mittel, die Ereignisse darzustellen. Mittelpunkt ist der Prozessverlauf, der an sechs der 22, später 20 Angeklagten exemplarisch aufgezeigt wird. 19 waren bei der Lager-SS, einer Funktionshäftling - Väter, Biedermänner. 211 Überlebende hatten ausgesagt, über 400 Stunden Tonbandmitschnitte sind erhalten und werden zum Teil vorgespielt.

In Wien kommen zwei Bereiche dazu: Einerseits will man den Wiener Publizisten und Auschwitz-Überlebenden Hermann Langbein würdigen - war er doch eine treibende Kraft bei der Vorbereitung des Frankfurter Prozesses. Raum soll aber auch den zwei österreichischen Auschwitz-Prozessen gegeben werden. Gegen 51 Österreicher, die verdächtigt wurden, in Auschwitz Verbrechen begangen zu haben, wurde in den 60er-Jahren ermittelt.

Nur vier landeten 1972 auf der Anklagebank. Garscha: "Wir wollen die Widersprüche beschreiben, wollen zeigen, dass die Justiz nicht nur geschlafen hat, dass aber bei der damaligen Bewusstseinslage in Österreich nichts anderes rauskommen konnte." Angeklagt waren im ersten Verfahren die beiden Konstrukteure der Auschwitzer Krematorien, damals von den Medien als "Baumeister des Massenmords" beschrieben. Freispruch in beiden Fällen.

Im zweiten Verfahren ging es um zwei Angehörige der Lager-SS. Beide waren von 1942 bis zum Ende des Vernichtungslager tätig. Freispruch in beiden Fällen.

Dass diese Ausstellung in Österreich ähnliche Reaktionen wie die Wehrmachtsausstellung hervorrufen wird, glaubt Garscha nicht: "Wenn, dann wird es höchstens heißen: Wozu brauch ma des."

Die Wiener Grünen haben schon positiv auf das Vorhaben reagiert, auch wenn sie die Ausstellung lieber schon 2005 in Wien gesehen hätten. Kultursprecherin Marie Ringler: "Was sich bei den Jubiläumsfeiern abzeichnet, ist, dass die dunklen Seiten zu wenig Beachtung finden." (Peter Mayr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 1. 2005)