Wien - Bis 31. Jänner - zum nächsten Treffen der EU-Außenminister - soll ein Vorschlag für die Bildung einer EU-Kriseninterventionseinheit für ähnliche Katastrophen wie die Flut in Südostasien vorgelegt werden. Das kündigte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner am Sonntagabend bei der ORF-Fernsehdiskussion "Offen gesagt" an. Dabei gehe es nicht um die Schaffung einer neuen Struktur, präzisierte die Kommissarin. Vielmehr solle die EU-Einheit entsprechende Strukturen in den Staaten koordinieren, mobilisieren und zum Einsatz bringen.

Bis zur Schaffung einer solchen Einheit würden zumindest noch zwei Jahre vergehen. Ferrero-Waldner: "Für diese Katastrophe werden wir leider diese Gruppen nicht mehr zum Einsatz bringen können. Wenn es aber zum selben Zeitpunkt sein könnte wie die Schaffung der EU-Battle-Groups, also 2007, dann wäre das ein großer Gewinn."

Kritik an der Vorgangsweise der EU-Kommission wies Ferrero-Waldner zurück: "Es wäre unfair zu sagen, die Kommission hätte nichts gemacht." Bis zu 450 Millionen Euro würde die EU bereitstellen - vorbehaltlich der Entscheidungen des Außenministerrates sowie des Europäischen Parlaments. "Ich hoffe, dass wir diese Summe auch in voller Höhe freibekommen."

Monitoring

Nachhaltige Hilfe sei "der entscheidende Punkt", betonte Ernst Strasser, von der Regierung eingesetzter Katastrophen-Koordinator für die Organisation der Hilfslieferungen und -projekte nach der Flut. Zunächst gehe es darum, Medikamente, Wasser und Nahrungsmittel bereitzustellen, dann gehe es um nachhaltige Hilfe. Strasser kündigte auch ein permanentes Monitoring für die Projekte an, damit etwa das Geld, das die Stadt Wien in ein Schulprojekt in Sri Lanka stecke, "auch wirklich bei den Kindern ankommt".

Zudem will der frühere Innenminister Gespräche mit der Hilfsaktion "Nachbar in Not" führen, damit auch Mittel für die psychosoziale Betreuung von Flutopfern und ihren Angehörigen freigemacht werden. Arbeit mit den schwer traumatisierten Menschen in den Katastrophenregionen bezeichnete der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer als besonders dringliches Problem. Nicht zuletzt will Österreich Strasser zufolge direkte Partnerschaften zwischen Bundesländern und Gemeinden sowie Regionen in den betroffenen Ländern fördern.

Als wichtig für den Wiederaufbau nach der Katastrophe bezeichnete der Südostasien-Experte Marco Bünte den Kampf gegen die Korruption. Indonesien stehe beispielsweise auf dem Korruptionsindex weit oben. Es müssten "Aufsichtsmechanismen geschaffen werden". (APA)