Die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) hat die derzeit diskutierten Angebote eines Schuldenmoratoriums für die von der Flutkatastrophe betroffenen Staaten "als ersten Schritt" begrüßt. Im Fall der hoch verschuldeten Länder Indonesien und Sri Lanka sei dies aber "nicht ausreichend", teilte die KOO am Montag in einer Aussendung mit. Sie weist darauf hin, dass bei den betroffenen Staaten einer Schuldenlast von 272 Mrd. US-Dollar (206 Mrd. Euro) derzeit Hilfszusagen von fünf Mrd. Dollar gegenüberstünden.

Konkret fordert die KOO ein unmittelbares und bedingungsloses Schuldenmoratorium für Indonesien bis 2006, das 25 bis 30 Prozent seiner Exporterlöse nur für den Schuldendienst aufwenden muss. Ein Moratorium allein würde dem Land zwar eine Atempause ermöglichen, wäre aber für eine Lösung des Schuldenproblems nicht ausreichend. Deshalb sei auch ein Schuldenerlass zu erwägen. Zudem sollen während des Moratoriums keinerlei Zinsen anfallen, "da dies die Situation des Landes nach Ablauf des Moratoriums noch verschärfen würde". Auch Sri Lanka sei ein hoch verschuldetes Land mit großem Finanzbedarf für Wiederaufbaumaßnahmen.

Für Indien und Thailand seien Entschuldungsmaßnahmen dagegen "weder notwendig noch hilfreich". Indien habe 2003 Kredite sogar vorzeitig zurückgezahlt, Thailand habe Schuldenerleichterungen abgelehnt. Somalia bediene seine Schulden ohnehin schon seit Jahren nicht mehr, weswegen ein Erlass sinnvoller sei als ein Moratorium.

Außerdem fordert die KOO, dass die getroffenen Maßnahmen nach der Flutkatastrophe nicht zu Lasten armer oder hoch verschuldeter Länder in anderen Regionen gehen dürften. "Daher müssen Schuldenerleichterungen für die von der Tsunami-Katastrophe betroffenen Länder Anstoß für eine umfassende Diskussion und weit reichende Maßnahmen zur Entschuldung anderer armer hoch verschuldeter Länder sein". Dies erfordere auch eine "drastische Erhöhung" der österreichischen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit, um das UNO-Ziel von 0,7 Prozent des Bruttonationalprodukts bis 2010 zu erreichen. Im Jahr 2003 lag Österreich mit 0,2 Prozent mit Italien an letzter Stelle der EU-Geberländer. (APA)